Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Amerika in Ausschnitten, 15. September 1999
Von Ein Kunde
Was in vielen Büchern den Höhepunkt der Handlung ausmacht, ist in Annie Proulx' Postcards bereits vorbei, bevor der Leser das Buch aufschlägt. Loyal Blood, Farmersohn im New England der vierziger Jahre, hat gerade seine Freundin umgebracht und seinem Leben eine unerwartete Wendung gegeben, die ihn eine lebenslängliche Flucht durch die USA antreten läßt. Loyals Postkarten sind seine einzige one-way Verbindung an das Zuhause. Vielleicht bereits Strafe genug für ein Verbrechen, das er möglicherweise aus eben jener Angebundenheit an die Heimat beging, die sich auch in seinem Namen symbolisiert findet.Gegenstand des Romans ist das Schicksal der Familie Blood, die Opfer der kulturellen und geschichtlichen Problemen der vierziger Jahre bis heute wird. So spiegeln sich die Veränderungen, die Loyal als Zeitzeuge auf seinem Weg erlebt, in einer Art Mikrokosmos in der Vermonter Farm wieder. Annie Proulx' Interesse gilt den sozialen Veränderungen, dem Verschwinden alter Denk- und Lebensmodelle und dessen Effekt auf Sprache und Anschauungen. Das Besondere an ihrem Roman ist das Zusammenspiel von Erzählform und Inhalt. Proulx wechselnde Erzählstrategien, die endlosen Aneinanderreihungen von Überlegungen und Beobachtungen und die auffallenden Metaphern geben der Handlung erst eine besondere Würze und führen den Leser in die Vielschichtigkeit Amerikas ein. Ihre eindringlichen Naturbeschreibungen illustrieren die beinahe schon mythologische Verwurzelung der Protagonisten mit ihrem Land. Proulx, die sich selbst als „Naturist" bezeichnet, verankert ihren Glauben an die Naturgesetze in einer Geschichte, die von den einfachen, natürlichen Realitäten handelt. Loyals Odyssee ist spannend, gleichzeitig wirkt sie moralinsauer: Sein Verbrechen wird gesühnt, wenn auch nicht durch menschliche Gesetze. Der Entwicklung der übrigen Familienmitglieder wirkt zuweilen stereotyp; auch wurde die Schilderung sicherlich nicht allen Aspekten des Nachkriegsamerikas gerecht. Aber ob der Roman diesen Anspruch hat, sei dahingestellt. Political Correctness ist sicher keine Sorge des Romans, so wie auch eine chronikalische Abhandlung nicht seine Absicht sein kann. Dennoch bietet Postcards eine anschauliche Zusammenstellung der Entwicklung Amerikas nach dem Zweiten Weltkrieg -- in Ausschnitten, so wie auch Postkarten immer nur Ausschnitte einer Realität darstellen können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
|
|
|
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kleines Amerika, 17. Juni 2001
Man muß sich in das Buch erst einlesen, dann läßt es nicht mehr los. Anfangs wirken Proulx' Vergleiche ziemlich angestrengt. Später verliert sich dies in einer flüssigen und kurzweiligen Erzählweise. Aus dem großen amerikanischen Traum wird eine kleine, überschaubare Welt, in der sich die Zufälle zu einer Kette reihen. In farbigen Bildern wird trauriger Alltag zur Tragödie. Der älteste Sohn einer Farmerfamilie verschuldet den Tod seiner Freundin, ob im Jähzorn oder aus Versehen bleibt offen. Schon im Bewußtwerden der Tat erfüllt sich sein Schicksal sowie das seiner Familie auf ungewöhnlich eindringliche Weise, obwohl eigentlich keine besonders außergewöhnlichen Ereignisse eintreten. Die Familie der Bloods ist zum Aussterben verurteilt, ohne daß man das Gefühl bekommt, sie hätte je gelebt. Es bleibt ein schaler Geschmack, und am Schluß des Buches muß etwas kommen - Gedanken, Gedanken, Gedanken ... Wirklich lesenswert.
|
|
|
0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schwermütig und eindringlich, 3. September 2007
Auf ungefähr Seite 80 dachte ich daran, das Buch wegzulegen und mir ein weniger komplexes Buch zu holen, aber dann bin ich doch dabei geblieben und wurde auch belohnt - mit einigen sehr eindrucksvollen Schilderungen, die mir trotz der vielen Bücher, die ich lese, sicher im Gedächtnis haften werden. Zum Beispiel die Beschreibung eines Bergwerkunfalls war sehr aufwühlend. Insgesamt ist das Buch sehr schwermütig und lässt tief in die amerikanische Gesellschaft der Jahre 1940-1990 blicken. Noch mehr hat es mir aber die wechselvolle und oft unbarmherzige Natur der USA vor Augen geführt, die vielen Menschen das Leben kostet.
Die Autorin bringt viele Metaphern, schon der Name des Hauptprotagonisten, Loyal Blood, spricht doch Bände.
Insgesamt gesehen war das Buch mir fast zu trostlos.
|
|
|
|