Der Autorengruppe ist etwas heutzutage selten gewordnenes gelungen: Detailkenntnis zu verschiedenen Ländern und Befreungsbewegungen mit einer theoretisch unterfütterten Gesellschaftsanalyse und -kritik zu verbinden. Die zentrale Fragestellung: (Wie) läßt sich eine Kritik am deutschen Nationalismus auf nationale (antikoloniale)Befreiungsbewegungen übertragen? zeugt von einer reflektierten Praxis der Autorengruppe sowohl in der antifaschistischen und antirassistischen Linken, als auch in der internationalen Solidarität. Ebenso breit ist das Spektrum möglicher LeserInnen, die sich von diesem Buch angesprochen fühlen sollten.
Das Buch teilt sich im wesentlichen in zwei Teile: 1. einer theoretischen Bestandsaufnahme der weltweiten Veränderungen der letzten Jahrzehnte im Bereich der politischen Ökonomie (Stichwort Globalisierung, Neoliberalismus, Ostblockzusammenbruch) die sich an Joachim Hirsch anlehnt, seine Postfordismusanalyse aber auch auf die Verhältnisse der 3. Welt überträgt. Ebenso wird ein Analyserahmen für Nationalismus abgesteckt und drei Prototypen desselben herausgearbeitet.
Im 2. Teil muß sich die Theorie des ersten Teils am praktischen Beispiel beweisen. In exemplarischen Länder- und Bewegungsstudien werden Tendenzen aufgezeigt und kritisiert. Kurdistan/Türkei, Baskenland/Spanien, Nordirland, Algerien, Korsika, Mexiko werden so unter die Lupe genommen. Eine Kritik der deutschen Solidaritätsbewegung und die eigene Positionierung darin schließt diesen Teil ab.
Angenehm fällt auf, daß der Text auch ohne theoretische Vorkenntnisse oder Detailwissen zu den einzelnen Ländern und Bewegungen verständlich und nachvollziehbar ist. Auch verzichten die Autoren auf eine komplizierte Wissenschafts- oder insider-Sprache. Viel Stoff also zum Nachdenken und Diskutieren!