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4.0 von 5 Sternen
Die Vereinigten Staaten im Sog globaler Machtverschiebungen, 18. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: The Post-American World (Gebundene Ausgabe)
Der aus Indien stammende und in den USA lebende Publizist Fareed Zakaria legt in seinem jüngsten Buch eine Analyse globaler Machtverschiebungen vor, die in ihrer Konsequenz zu einem relativen Machtverlust der Vereinigten Staaten führen werden. Für diese Entwicklung ist aus seiner Sicht nicht der im alten Europa viel beschworene Niedergang Amerikas hauptverantwortlich. Es ist vielmehr der rasante Aufstieg der übrigen Mächte, der für die USA zu einer großen Herausforderung wird.
Die drängendste interne Herausforderung liegt dabei in der Überwindung der Schwäche des politischen Systems der Vereinigten Staaten begründet. Die Parteien und Institutionen des Landes sind seiner Auffassung nach immer weniger im Stande, die akuten Probleme in der Innen- und Außenpolitik effizient anzugehen. Ideologische Grabenkämpfe verhindern einen notwendigen überparteilichen Konsens. Zakaria kontrastiert diesen Schwachpunkt der Politik mit der Stärke der amerikanischen Ökonomie und Gesellschaft. Die Wirtschaft ist nach wie vor wettbewerbsfreudig und innovativ. Trotz ihrer gegenwärtigen Stagnation ist sie langfristig in der Lage, äußerst produktiv zu sein.
Auch die amerikanische Gesellschaft ist seiner Ansicht nach sehr mobil und flexibel. Sie ist nicht dekadent und verbraucht, sondern leistungsstark und anpassungsfähig. Am Besten zeigt sich dies am Beispiel der Wissenschaften, wo amerikanische Universitäten und Forschungseinrichtungen die Weltspitze bilden. Im Unterschied zum britischen Reich, dass Zakaria als historische Referenz dient, stehen die USA noch gut da. Sie haben die ökonomische und technologische Basis, die dem Empire fehlte, um auch weiterhin eine zentrale Rolle in der internationalen Politik spielen zu können.
Es ist für Zakaria deshalb gut möglich, dass sich aufstrebende Mächte wie China oder Indien friedlich in die von Amerika geschaffene Weltordnung integrieren lassen. Der Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Welt kann sich für alle Großmächte positiv auswirken, wenn die USA nur akzeptieren, dass sie nicht mehr der uneingeschränkte Hegemon in der Weltpolitik sind.
Ein solcher Optimismus bleibt allerdings höchst fragwürdig. Zakaria blendet die keinesfalls unwahrscheinliche machtpolitische Rivalität zwischen den Großmächten weitgehend aus. In seinen Überlegungen ist z. B. China kein potentieller Hegemon, der versuchen wird, die bestehende internationale Ordnung massiv zu seinen Gunsten zu verändern. Revisionistische Mächte und gierige Staaten kommen in seiner Perspektive nicht vor. Ein derartiges Versäumnis ist bei diesem Autor überraschend. Noch in den neunziger Jahren war Zakaria aufgrund seiner wichtigen Publikationen zu den sogenannten offensiven Realisten gerechnet worden. Die Vertreter dieser Denkschule zeichnen sich gerade durch die Thematisierung einer aggressiven Mächterivalität aus.
Das Zakaria in diesem Buch darauf verzichtet ist bedauerlich. Den positiven Gesamteindruck schmälert es aber kaum. Seine Ausführungen sind informativ und lesenswert.
Jürgen Rupp
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Provokativ, intelligent, spannend, 18. September 2009
CNN-Zuschauern ist Fareed Zakaria durch seine sonntags ausgestrahlte Sendung "GPS-Global Public Square" bekannt, in der er sich als kritischer Interviewer einen Namen gemacht hat. In seinem (zweiten)Buch "The Post-American World" beschreibt er eine spannende Vision einer Welt, in der die USA die einzige Supermacht geblieben ist und an Bedeutung verlieren könnte, nicht weil sie an Bedeutung und Wirtschaftskraft verliert, sondern weil die "developing nations" (speziell China, Indien Russland, Brasilien, aber auch andere) an Bedeutung und Wirtschaftskraft gewinnen. Er bringt es auf die Formel "The Rise of the Rest". Er beschreibt historische Entwicklungen, die gegenwärtige Situation und Entwicklungsaussichten in politischer, gesellschaftlicher und ekonomischer Hinsicht und belegt seine Analysen mit Wirtschafts- und Bevölkerungsdaten. Trotz der Datenfülle eine gut lesbare und sprachlich hervorragene Lektüre, der es auch nicht an einer Prise Humor mangelt.
Seine Schlußfolgerungen sind überzeugend und intelligent, aber vielleicht auch kühn und idealistisch, in jedem Fall aber anregend und bedenkenswert.
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