Wer schon mal selbst mit dem Rad die 21 Kehren hinauf nach Alpe d'Huez gefahren ist, der weis, dass jede Kurve einem Rennfahrer gewidmet ist, der hier eine Etappe der Tour de France gewinnen konnte. In den Kehren 15 und 13 findet man die Schilder mit dem Namen Peter Winnen. Er hatte seine erfolgreichste Zeit als Rennfahrer in den frühen 80er Jahren, als es noch kein EPO, keine Klickpedale und Bremsschaltgriffe gab und die Szene von Bernard Hinault dominiert wurde. Winnen beschreibt in Briefform seine Erlebnisse beim Werdegang vom vielversprechenden Amateur und Olympiateilnehmer zum Profi bei den Mannschaften von Godefroot und Peter Post. Das Buch ist ungemein spannend und unterhaltsam geschrieben. Das mag vor allem daran liegen, dass der Autor einen ehrlichen Einblick in sein Innenleben zulässt. Mit einer sehr authentischen Sprache, auf empfindsame Menschen vielleicht ein wenig derb wirkend, gelingt es Winnen, vor allem radsportlich „vorgebildete" Leser sinnlich zu faszinieren. Beim Lesen riecht man förmlich das Lederfett und den Schweiß. Man kann Winnens Erleben unmittelbar nachvollziehen, wenn er beschreibt, wie er im Rennen stundenlang auf den „viereckigen Hintern und die viereckigen mechanisch mahlenden Waden" Bernard Hinaults gestiert hat. Er lässt teilhaben am Gefühl der völligen physischen Verausgabung nach schweren Bergetappen (siehe Titelbild) und beschreibt unpathetisch, fast banal, wie er seine wichtigen Siege in Erinnerung hat. Einblicke in die Macho-Welt der Rennfahrerszene wechseln sich ab mit sensibel empfundenen Details am Rande der Rennstrecke. Wer dieses Buch lesen will, sollte genügend Zeit einkalkulieren, es fällt nämlich ungemein schwer, das Lesen vor der letzten Seite zu unterbrechen.