Ich habe das Buch seit einigen Monaten als Forschungslektüre ständig zur Hand und bin eine begeisterte Leserin dieses Titels. Ich habe es u.a. wegen einer sehr positiven Kritik von socialnet erworben. Hier legt ein Markentechniker eine wirklich hervorragende markentechnische Analyse vor und zeigt wie interessante Forschung aussehen kann.
Ich bewerte den Titel insgesamt als eine ausgezeichnete Analyse der gesamten Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Alle typischen über Deutschland weltweit existierenden Vorurteile werden auf ihre faktischen Ursachen zurückgeführt. Diese soziologische Beobachtung wird anschließend auf die Marke Mercedes-Benz angewendet, bzw. der Fokus im 2. Teil auf die Stuttgarter Marke scharf gestellt. Welche Wechselwirkung besteht zwischen den Vorurteilen über Deutschland und der Marke Mercedes-Benz? Die zeitlose Kraft der Vorurteile über Deutschland und seine Industrieprodukte kann dabei äußerst komische bzw. groteske Züge annehmen, wenn der Autor anhand von internationalen Artikeln anlässlich der Präsentation einer Mercedes-Benz S-Klasse 2006 vorführt, wie die weltweite Presse in nicht einem Artikel über den Wagen ohne die Verwendung deutscher Resonanzräume auskommt: Es wimmelt von Begriffen wie Teutonenstahl (Stahl in allen Variationen), bombenfester Qualität, Panzern, Pistolen, der German engineer ist allgegenwärtig. Historisch fundamentale Fragen drängen sich auf: Wieso profitiert die Marke bis ins 21. Jahrhundert davon, dass Adolf Hitler nicht müde wurde, den Mercedes in jedem Propagandafilm vorzuführen?
Darüber hinaus wird gnadenlos aufgezeigt, welche wahnwitzigen strategischen Fehler die Marke in den letzten Jahrzehnten (bereits weit vor der Fusion mit Chrysler) gemacht hat ' eklatante Fehler, die dazu geführt haben, dass selbst ein so positives Vorurteil (das ehemals stärkste Vorurteil über eine Automarke) stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Hierbei belustigt mich der Autor mit seiner Liebe zum Detail. Markentechnik und insbesondere Markentechniker scheinen überaus detailbesessen zu sein. Amüsantes Intermezzo!
Der Autor endet mit klaren Handlungsanweisungen, was getan werden muss, um das 'Positive Vorurteil' über Deutschland am Laufen zu halten, und macht deutlich, wie und wo vorhandene Vorurteile kostenlos bereit stehen. Wenn ich ein Industrieprodukt habe, sollte ich schauen, welche Vorurteile evtl. bereits vorhanden sind ' und wie ich sie für mein Produkt nutzen kann. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Rede vom großen Daimler oder vom kleinen Mittelständler ist. Für alle technischen Produkte ist 'Made in Germany' ein 'Bringer'. Und das hat der Autor bestens herausgestellt. Deshalb ist die Analyse ' aus meiner Sicht ' jedem zu empfehlen, der keine Angst vor der Wahrheit der Markentechnik hat und diese den verlustträchtigen Ideen der Werbeagenturen vorzieht.