- Unbekannter Einband
- Verlag: Eichborn (1997)
- ASIN: B003HMGA84
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.1 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (34 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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Andererseits ist auch Kritik an dem Werk angebracht. Der Autor erstellt in seinem Buch ein völlig verzerrtes Bild, allein schon dadurch, dass er kategorisch im Titel behauptet, dass positives Denken krank macht. Tatsächlich sind alle seine Fallbeispiele, die er für seine Beweisführung heranzieht, Persönlichkeiten, die anscheinend schon lange bevor sie sich mit dem Positiven Denken beschäftigt haben, psychisch krank waren. Überhaupt betrachtet der Autor das ganze Thema nur durch die Brille seiner wissenschaftlich-therapeutischen Schulung und nur anhand von psychisch gestörten Menschen, für die natürlich eine Psychotherapie dringend erforderlich ist, daran besteht kein Zweifel. Die anderen einigermaßen normalen Menschen lässt er jedoch im Regen stehen und bietet ihnen keine wirkliche Alternative zum Positiven Denken an. Oder sollen in Zukunft alle Menschen, die sich selbst ein wenig motivieren wollen, zum Psychotherapeuten gehen? Außerdem macht er im umgekehrten Fall das Gleiche wie die von ihm kritisierten Autoren: Er lässt niemanden zu Wort kommen, der möglicherweise aus dem Positiven Denken einen Gewinn gezogen hat. Es gibt für ihn nur ausschließlich negative Beispiele - so wie es für die Propheten des Positiven Denkens nur positive Beispiele gibt.
Außerdem entwertet der Autor religiöse Gefühle wie beispielsweise Gottvertrauen, Verbundenheit mit dem All usw. als diffuse Versprechungen - wahrscheinlich auch deshalb, weil er auf diesem Gebiet aufgrund seiner einseitig wissenschaftlichen Ausrichtung, selbst über keinerlei Referenzerlebnisse verfügt. Jedenfalls müssen solche Gefühle nicht automatisch zu einem totalen Realitätsverlust in dieser Welt führen.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Positive Motivation - egal, ob aus dem religiösen Umfeld oder aus der neueren und etwas marktschreierisch amerikanischen Methode des Positiven Denkens kann für den gesunden Menschen durchaus hilfreich sein. Es ist nämlich durchaus möglich, eine negative Emotion durch selektive Steuerung der Aufmerksamkeit und durch einen positiven Selbstbefehl zu neutralisieren und dadurch den „inneren Schweinehund" zu überwinden. Jemand der beispielsweise Angst davor hat, vor einer Gruppe zu sprechen, wird gut daran tun sich zu entspannen und sich den positiven Verlauf seines Vorhabens vorzustellen. Hierzu kann er sehr wohl - sozusagen als flankierende Maßnahme - sich selbst gut zureden, indem er sich sagt: „Es wird mir schon gelingen, ich schaffe das und habe den Mut, mich dem Ereignis zu stellen". Was soll er denn sonst tun - etwa sich den Ängsten überlassen und die Sache aufgeben?
Es ist auch zweifelhaft, ob Kranke, die den Umweg über das Positive Denken zur Therapie gegangen sind, tatsächlich direkt damit in Berührung gekommen wären. Zu sehr wird - gerade hier in Deutschland - der Begriff der Psychotherapie in der Allgemeinheit gleichgesetzt mit Psychiatrie und Geisteskrankheit. Kaum jemand, der sich für normal hält (weil er ja gar nicht erkennt, dass er Hilfe benötigt), wird diesen Weg gehen wollen, wenn er es irgendwie vermeiden kann. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er erst mal einen schnellen Weg (Alkohol, Tabletten, usw.) sucht, um seine Probleme in Schach zu halten. Hier müsste die Psychologie und die Psychotherapie daran arbeiten, ihr Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. In der Regel jedoch muss der Hilfebedürftige von einer Notwendigkeit zur Therapie von Außen überzeugt werden.
Abschließend sei gesagt, dass es sich durchaus lohnt dieses Buch zu lesen. Es ist als Gegengewicht zur Masse der hochfliegenden Enthusiasten gemäß dem Gesetz der Dualität unbedingt notwendig, aber immer gemäß dem Grundsatz, dass es genauso falsch ist zu sagen: „alle Macht der Wissenschaft", wie es falsch wäre zu sagen: „alle Macht den Träumern".
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