Schön, dass es endlich ein von einem angesehenen Fachverlag herausgegebenes Lehrbuch gibt, das die Ergebnisse dieses noch relativ jungen Zweiges der Psychologie darstellt. Die Positive Psychologie hat sich zur Aufgabe gesetzt, nicht wie die bisherige Klinische Psychologie allzu sehr nach den Gründen des Leidens der Menschen zu fragen, sondern vielmehr ' positiv ' danach, auf welchen Wegen das Leben gelingt, Glück und Lebenszufriedenheit entsteht. Die verschiedenen Kapitel sind relativ kurz, so dass man ohne weiteres ein oder zwei Kapitel pro Tag lesen kann. Die Autoren scheinen auf ihrem Feld kompetent und bemühen sich in gut strukturierter Weise die neuesten, bzw. relevantesten Befunde der empirischen Forschung darzulegen. Aber da liegt das Problem: gerade weil die Positive Psychologie erst einige Jahre alt ist, sind viele Konzepte noch gar nicht oder nur recht wenig untersucht. Wie in jedem neuen Wissenschaftszweig sind die Gelehrten daher gezwungen, zunächst einmal brauchbare Definitionen, Klassifizierungen und Differenzierungen zu finden, bevor sie sich an die experimentelle, bzw. empirische,"echte", 'Forschungsarbeit machen können. Deshalb lesen sich weite Teile der einzelnen Kapitel auch eher wie philosophische Abhandlungen. Etliche der dargestellten Ergebnisse stammen auch nicht aus der Positiven Psychologie selbst sondern aus der althergebrachten klinischen Forschung. Daher sind auch viele der von den Autoren besprochenen Befunde durchaus nicht 'positiv', beispielsweise wenn darauf hingewiesen wird, dass positives Denken oder Gelassenheit das Immunsystem stärken oder Krankheiten vorbeugen ' was ja auch nur wieder eine 'negative' Erkenntnis ist, weil sie uns nur sagt, dass wir NICHT krank werden, wenn wir Positives in unserem Leben verwirklichen. Schmerzlich vermisst habe ich dagegen eine positive Definition oder Beschreibung, was nun das Gegenteil von Unglück, nämlich das vielgesuchte 'Glück' ist. Da liefert die Positive Psychologie bis heute nur Bruchstücke.
Ich gestehe, dass man dies einem Lehrbuch nicht zum Vorwurf machen kann, schließlich kann es nicht zusammenfassen oder darstellen, was es noch gar nicht gibt.
Wegen des gut lesbaren Textes und der guten Strukturierung gebe ich daher (trotzdem) 5 Sterne.