Olaf-Axel Burow ist ein Professor (den ich als alten Kollegen kenne), wie es nur wenige gibt: Tiefgründig und wert-voll, kreativ und originell, ohne jemals den Kontakt mit der Basis verloren zu haben. Aufbauend auf seinen früheren Büchern wie "Ich bin gut, wir sind besser" oder "Kreativität gibt es nur im Plural" ist "Positive Pädagogik" das opus magnum aus einem Vierteljahrhundert Expertise, das ich allen Lehrenden und Lernenden in ihrer Ausbildung nur wünschen kann. Leider ist es viel zu komplex, um seinen Reichtum in einer kleinen Rezension auch nur annähernd würdigen zu können. Positive Pädagogik ist - ähnlich wie die "Positive Psychologie" - ein zartes, noch wenig beachtetes Pflänzchen, das als neues Paradigma unsere Bildung und Gesellschaft revolutionierend beglücken würde.
Der Autor stellt drei Fragen: 1. Wie verschwand das Glück aus der Schule? 2. Wie kommt das Glück wieder in die Schule hinein? Und 3. Welche Wege führen zu Lernfreude und Schulglück? Die Antworten überraschen - 1: Obwohl es schon frühe Pädagogen gab, für die Schule und Glück keine Gegensätze waren, quälen wir uns seit Jahrhunderten mit der "Grammatik der alten Schule", die gekennzeichnet ist durch Fremdbestimmung, Frontalunterricht und Lebensferne (Tendenz leider noch dramatisch steigend an den deutschen Hochschulen von heute, an denen Studierende meist nur irgendwelchen Kredit-Points hinterherhecheln). 2: Dabei kennt die Pädagogik (in der Theorie) fast unzählige Quellen glücks- und zukunftsfähigerer Bildungsformen - sie gehen z.B. in Richtung Entdecken persönlicher Berufungen, Entfaltung der inneren Potentiale jedes Einzelnen, synergetisches Lernen in einladenden Umwelten, Kultivierung von "Flow"-Gefühlen, Wertschätzungen jenseits von Noten, welche die Menschen lediglich zu einer Nummer degradieren, sowie im "Vorbild" authentischer und begeisterungsfähiger Lehrer. 3: Dass in diesen Idealen trotz eines eher aversiven Systems auch jede Menge erfolgreich gelebte Praxis stecken kann, offenbaren schließlich die finalen sieben Glückswege - ermutigende Beispiele, wo Menschen mit innovativen Methoden wie z.B. Zukunftswerkstätten oder Art-Coaching auch unter alles andere als einfachen Voraussetzungen in kreativen Feldern teilweise ganz neue Schulwelten geschaffen haben. Zentrales Erfolgsgeheimnis ist dabei die Synthese der Weisheit der Vielen mit dem Mut von Wenigen ("Yes we can").
So könnte auch die bilanzierende Hoffnung von Professor Burow Wirklichkeit werden: "Nach Jahrhunderten, in denen Schule vor allem Agent fremdbestimmter Interessen war, könnte sie jetzt zu einem Ort vorausschauender und eingreifender Zukunftsgestaltung werden, ihren Mitgliedern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit vermitteln und damit einen Weg zu mehr Freude und bisweilen sogar Lebensglück bahnen" (S.236) - angesichts der beschleunigten Selbstvernichtungstendenzen des "homo sapiens" wäre das auch eine gesellschaftlich begrüßenswerte Zukunftsvision!