Ein eindrücklicher Gedicht-Zyklus des Büchner-Preisträgers Durs Grünbein über die Zerbombung seiner Geburtsstadt Dresden drei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Seit 1992 hat der Autor daran geschrieben. Im Jahr der Fertigstellung der Dresdner Frauenkirche hat er ihn vollendet. Mit widerstreitenden Gefühlen blickt Grünbein auf seine Heimatstadt. Die Tonlagen und Stimmungen der einzelnen Gedichte variieren von Sarkasmus zu Melancholie, von Emphase zu Skepsis. Sein Zyklus ist Klage als auch Anklage, die nicht nur den englischen Bombengeschwadern gilt, sondern vor allem der "eignen Bande", den Deutschen, die die prächtige Kunststadt aufs Spiel setzten, als sie die halbe Welt mit Krieg und Vernichtung überzogen.
Wer mehr über die Hintergründe von "Porzellan" wissen will, der greife zu dem Insel-Band "Die wüste Stadt. Sieben Dichter über Dresden" (hgg. von Renatus Deckert). In einem langen, nachdenklichen Gespräch spricht Grünbein über sein Verhältnis zu Dresden, der "Sandsteinschönen", die er in einem frühen Gedicht einmal als "Barockwrack an der Elbe" bezeichnet hat.