Portugal war Jahrhunderte lang nicht zum Festland sondern auf das atlantische Meer in seinem Westen hin orientiert. Dies hat ihm in der Zeit der Entdeckungen der großen Seewege, insbesondere nach Indien und China Weltruhm, enormen Handelsreichtum und ein goldenes Zeitalter beschert. Nach der Machtübernahme durch Spanien im 16.Jh. begann sein Niedergang. Lange war es eines der ärmsten Länder des alten Europa. Seit dem Beitritt zur EU 1986 geht es einen neuen Weg.
In einem guten Einführungsteil wird diese geschichtliche und politische Entwicklung kompakt und übersichtlich dargestellt. Beiträge zur Alltagskultur und Gesellschaft ergänzen das Bild. Auch Kritisches zur Verwendung von EU-Mitteln wird nicht ausgespart.
Der Reiseteil ist sinnvoll gegliedert in Kapitel über Lissabon, die Landesmitte, den grünen Norden und den südlichen Küstenabschnitt, die Algarve.
Routenvorschläge und Beschreibungen sind in leichtem Erzählstil gehalten und durch gute farbige Regionalskizzen und Stadtpläne ergänzt. Die points of interest sind nummeriert, die Nummern im fließenden Text deutlich hervorgehoben und ermöglichen so rasche Orientierung. Zahlreiche informative und anschauliche Farbfotos begleiten die Texte und lockern das Buch angenehm auf. Das südeuropäische Flair der diversen Städte wird sehr gut rübergebracht.
Bemerkenswert sind kleine Kapitel zu verschiedenen Facetten des Alltagslebens: Unter anderem zur besonderen Bedeutung des melancholischen Fado als nationale Besonderheit und zum jungen Nachtleben Lissabons. Uns hatten es besonders die Kaffeehaus-Kultur und die moderne Kunst der U-Bahnhöfe angetan. Es lohnt sich wirklich diesen Insider-Empfehlungen nachzugehen.
Ein ausgezeichneter Anhang mit Landeskarten rundet den positiven Gesamteindruck ab.