Die 30-jährige Aurora des Valle befindet sich auf der Suche nach ihrer Identität und rekonstruiert ihre Lebens- und Familiengeschichte. Aurora schreibt ihre Geschichte nieder und beginnt im Jahr 1862 in San Francisco bei ihren Vorfahren. Aurora selbst wird 1880 geboren, ihre Mutter Lynn Sommers stirbt kurz nach der Geburt, ihr leiblicher Vater hat sich längst nach Europa abgesetzt und der Mann ihrer Mutter stürzt sich aus Trauer in den sog. Salpeterkrieg, in dem Chile gegen Bolivien und Peru kämpft. Aurora wächst bei ihren Großeltern Eliza Sommers und Tao Chi'en auf (die Protagonisten aus "Fortunas Tochter"). Irgendwann in ihrer frühen Kindheit gibt es einen Bruch, Aurora kommt zu ihrer Großmutter väterlicherseits, Paulina del Valle. Dort wächst sie behütet und luxuriös auf, übersiedelt mit ihrer Großmutter in deren Geburtsland Chile, zurück in den Schoß einer großen Familie. Wie Aurora sich entwickelt und ihre wahre Herkunft herausfindet, wie sie zu ihrer Leidenschaft, der Fotografie, gelangt und schließlich die Liebe kennenlernt, das erzählt Isabel Allende wunderbar, fesselnd, kraftvoll, liebevoll, humorig, ironisch, großartig. Sie schreibt über starke, selbstbewußte Frauen, die ihrer Zeit und ihrem Land trotzen und selbst aus heutiger Sicht modern und vorbildlich sind. Trotzdem ist "Portrait in Sepia" kein Roman nur für Frauen. Es geht nicht nur um Familiengeheimnisse und private Tragödien oder Komödien sondern auch um die Geschichte Chiles, das Leben, die Gesellschaft und die Politik vor rund 100 Jahren in Kalifornien, Europa und Südamerika. "Portrait in Sepia" ist ein besonders lesenswertes Buch, und wer "Fortunas Tochter" noch nicht kennt, sollte es ebenfalls lesen!