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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sex, Religion, Ödipus und Identität, 11. Juli 1999
Von Ein Kunde
Was auf den ersten Blick als Anhäufung absonderlicher sexueller Begierden erscheint, ist ein unglaublich vielschichtiger Roman, der Philip Roth den Ruf als "zweiter Henry Miller" einbrachte. Natürlich sind gerade die sexuellen Erlebnisse des Newarker Jungen Alexander Portnoy köstlich beschrieben. Angefangen mit einem manischen Zwang zu onanieren ejakuliert der jüdische Junge beispielsweise in eine Leber, die die Familie zum Abendessen verspeist: Dazu Portnoys Kommentar, der sein Leben in der Retrospektive seinem Psychiater Dr. Spielvogel schildert: "Ich habe das Abendessen meiner eigenen Familie gefickt". Verhätschelt von seiner Mutter versucht Alexander mit dem Judentum zu brechen und läßt sich nur auf "Schicksen" ein. Neben seiner verantwortungsvoller Tätigkeit als Erwachsener als Beauftragter für Menschenrechte in der Stadt New York, führt der junge Mann ein auschweifendes Leben mit einer Postituierten, die ihn irgenwann verläßt. Sein sexueller Zwang stößt sich am orthodoxen Glauben seiner Mutter. Roth beschreibt einen jungen Mann, der verzweifelt seine Identität und Normalität zwischen Judentum und Amerika sucht. Ein Schlüsselerlebnis ist seine Reise nach Israel. Was eine Katharsis für ihn sein sollte, endet mit Impotenz bei Frauen im heiligen Land. Auf 185 Seiten erzählt Portnoy seine Geschichte, die Geschichte eines Mannes der sich nie gefunden hat. Portnoy vollführtimmer einen Drahtseilakt zwischen Mutter und Schicksen, zwischen Berufsleben und Privatleben und zwischen Moral und Manie. Den Konflikt kann der nicht selbst reflektierende junge Mann nicht lösen. So kommentiert Dr Spielvogel am Ende des Buches die Erlebnisse Portnyos mit den Worten: "Dann wollen wir mal anfangen. Ja?". Ein grandioses Buch an die sich viele Personen und Konflikte in weiteren Büchern anreihen wie z.B:" Mein Leben als Mann, Mein Leben als Sohn, Die Tatsachen, Zuckermans Befreiung usw. Patrick Körber (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Bildungsroman, der sich gewaschen hat, 2. März 2003
Wer die Bedeutung und die Besonderheit dieses Buches richtig ermessen will, muss bis zu "Wilhelm Meister", dem "grünen Heinrich" oder "Felix Krull" zurückgehen und sich vorstellen, dass Wilhelm, Heinrich oder Felix neben all ihren Interessen an den Absonderlichkeiten der Welt zuerst und vor allem an ihrem "Schlong" interessiert sind, der sie Tag und Nacht mit seinen Erektionen peinigt, so dass sie als Pubertanten - wo sie gehen und stehen - nichts anderes im Sinn haben, als "ihre Ladung abzuschießen". Das hört sich drastisch an, ist aber durchaus erst gemeint: "Portnoys Beschwerden" von Philip Roth ist der Bildungsroman der Postmoderne, in dem die beiden Seiten der Tannhäuser-Problematik - der Mann zwischen Venus und der heiligen Elisabeth - unverblümt aufeinanderprallen. Wie in atrophierten Knochen, in denen die schützenden Knorpel sich abgenutzt haben, wird die Persönlichkeit des heranwachsenden Alexander zerrieben zwischen Lust und Schuld, sexuellen Begierden und Gutmenschenattiüden, und es ist die große Kunst des Autors, diese traurige Thematik eindringlich und - man soll es kaum glauben - außerordentlich kurzweilig zu entfalten. Alexander Portnoy ist der Sohn eines jüdischen Versicherungsvertreters, der sein Leben lang an Verstopfung leidet, und einer perfekten Mutter, die alles für ihre Kinder gibt und voller Sorge über einen eventuellen Durchfall ihres Sohnes an die Toilettenüre klopft, wenn sich ihr Filius auf dem Örtchen die Seele aus dem Leib masturbiert. Der Antagonismus zwischen der kreatürlichen, fast affenartigen Verfallenheit an den eigenen "Schlong" und die dabei immer aufs neue hochbrandenden Schuldgefühle quälen den kleinen Alexander sein ganzen Leben, doch er bleibt unfähig, sich von der Faszination blond-christlicher "Schicksen" zu lösen. Während ihm sein IQ von 158 problemlos alle schulischen Türen öffnet und er schon als altkluger Knabe politisch korrekte Sprüche in Debattierzirkeln unter Erwachsenen absondert, wird er in Wahrheit niemals erwachsen und frönt stattdessen mit Hilfe von leichten Mädchen und Prostituierten seiner Triebnatur - bis er schließlich sein alter ego findet: Mary Jane, im Buch bezeichnenderweise "das Äffchen" genannt, eine blonde Christin, genauso sexbesessen wie Alexander, ein Wunder als Lustspenderin und Sexobjekt aber zugleich mit einem Auftreten geschlagen, dass es ganz und gar unmöglich macht, sich mit ihr auf der Straße zu zeigen. Alles an Alexander schreit "ja", wenn er die langen Beine von Mary Jane betrachtet, alles schreit "nein", wenn "ihr töricht angemaltes Gesicht unter Korkenzieherlocken hervorlugt" - Dr. Jekyll und Mr. Hyde lassen grüßen. Dabei soll keiner sagen, daß Alexander nicht genug Gelegenheit gehabt hätte, den rechten Pfad in ein gutbürgerliches Leben zu finden. Mehrere Varianten der "heiligen Elisabeth " kreuzen seinen Weg: die sanfte Kay Campell, die kluge Sally Maulsky weisen dem geplagten Portnoy jeden nur denkbaren Ausweg aus seinen "Beschwerden" - doch sie sind samt und sonders "Kürbisfrauen", d. h. unerortische Langeweiler im Bett, die mit "unproportionalen Figuren wie Bären über die Erde wandeln". So bleibt Alexander Portnoy, obwohl ein führender Agitator im Dienste der Bürgerrechtsbewegung bis weit in die Dreißiger ein durch und durch zerrissener und unglücklicher Mensch, eine Pointe, die der Leser schon nach fünfzig Seiten begreift, die am Ende des Buches, als der Protagonist Israel besucht, an der Figur der jüdischen Naomi noch einmal deutlich wird. Dieses junge Mädchen, das in seinem ganzen Auftreten und Habitus nichts anders ist als eine jüngere Variante der Portnoy-Mutter, liest ihm nach einem mißglückten Vergewaltigungsversuch die Leviten. "Fahr wieder nach Hause," rät die edle Sozialistin dem heruntergekommenen Portnoy - was nicht anderes bedeutet als: Fahr wieder zurück nach Amerika in die Hölle der modernen Gesellschaft, die die zuerst Sexualität entfesselt und das Individuum dann mit diesem Raubtier alleine läßt. Das ist die Moral von der Geschicht, und auch wenn sich das alles sehr ernst anhört, wird die Geschichte selbst über den gesamten Roman keine Seite langweilig erzählt. Die Treffsicherheit der Roth'schen Beobachtungen allein macht die Lektüre des Buches zu einem Gewinn. Seine Fantasiefontänen sind mitunter an Komik kaum zu überbieten, und letztendlich ist dieses Buch, das völlig zu Unrecht als obszönes Buch verteufelt wurde, ein zutiefst menschliches und warmherziges Werk, denn das Mitgefühl des Autors mit all seinen Figuren ist unübersehbar.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mamas guter Junge, 4. Februar 2006
Alexander Portnoy, der Ich-Erzähler, schildert seinem Psychiater seine Lebensgeschichte: Aufgewachsen in einem jüdischen Stadtviertel in einer jüdischen Familie mit korpulenter Schwester, ständig besorgter Mutter und hypochrondrischem Vater unternimmt er Ausbruchsversuche durch Sex. Zunächst während der Pubertät durch Onanie, später mit ständig wechselnden Parterinnen. Aber entkommen kann er nicht. Ein amüsantes Buch, das in sich selbst schon ironisch ist: Indem der Ich-Erzähler laut gegen seine Familie klagt, vor allem gegen die Mutter, die dauernd die Aufmüpfigkeit und Undankbarkeit des Sohnes beklagt, macht er der Familientradition alle Ehre und setzt die Tradition des Klagens fort. Sein Bestreben, die Familie zu bestrafen, führt Alexander jedoch im Geheimen aus: Onanie und Beziehungen zu Frauen, von denen niemand etwas wissen darf. Als er letztlich doch "gehorsam" wird, nach Israel fliegt und eine Jüdin kennenlernt, macht ihm das einzige, auf das er sich in seinem Leben verlassen konnte, seine sexuelle Gier und seine Potenz, einen Strich durch die Rechnung. Dass ein Buch mit einer solchen Thematik sich lächerlich machen würde, wenn es sich mit zarten erotischen Andeutungen begnügen würde, ist einleuchtend. Allerdings hat der Autor es durch seine Sprache verstanden, die entsprechenden Passagen nie ausfallend oder obszön klingen zu lassen.
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