Miami war noch nie eine der großen Metropolen, wenn es um Hip Hop geht. Die wohl bekanntesten Leute aus dem Biz dürften Star-Producer Cool & Dre und die Slip-N-Slide Rapper Trick Daddy und Trina sein. 2006 betrat dann ein neuer MC die Bühne. Sein Name: Rick Ross. Unter der Regie von Def Jam und Slip-N-Silde Records brachte dieser mit seinem Debüt "Port Of Miami" ein Album heraus, das für Vice City neue Maßstäbe setzte. Sein Markenzeichen ist seine raue und markante Stimme, die er dazu nutzt Geschichten in allerfeinster Mafia-Manier zu erzählen, was einfach wunderbar zu Miami passt, eine Stadt, die vor Illegalitäten nur so strotzt. Schon gleich der erste Banger "Push It" ist eine Hymne für seine Heimatstadt. Das Instrumental stammt von Jonathan "J.R." Rothem, der dafür Samples vom "Scarface" Soundtrack verwendete. Ein genialer '80er Jahre Gangster-Film, der in Miami spielt, wunderbar neu aufgelegt von Rick Ross. Noch besser ist gefällt mir "Blow", das aus den Händen von Cool & Dre stammt. Der Beat ist sehr elektrisch, schnell und mit ordentlich Power, dazu rappt Rick einfach genial mit seiner verruchten Stimme. Die meisten dürften den Smash "Hustlin'" kennen. Ein richtig derbes Midtempo-Stück mit gescrewtem Hook ("Ev'ryday I'm hustlin'"), was man ja sonst eher aus Houston kennt, trifft auf einen Rapper, der mit lässigen und ruhigen Rhymes glänzen kann. Noch besser ist der dazugehörende Remix mit Jay-Z und Young Jeezy. Wieder dem Thema '80er Jahre ist "I'm Bad" gewidmet. Das schnelle Instrumental könnte auch wunderbar die Titelmelodie einer Kultserie a lá "Miami Vice" oder "The A-Team" sein, einfach richtig geil. Auch die Performance von Rick Ross ist makellos und eine der besten des gesamten Albums. Mein absoluter Favorit ist "For Da Low", für das Jazze Pha eine geniale Produktion ablieferte, die durch ihre vielen verschiedenen Klänge im Hintergrund zu etwas Einzigartigem wird. Gepaart mit Ross' Rhymes ergibt das einfach einen echten Kracher. Etwas R'n'B-Flavor bekommt man mit "Get Away" feat. Mario Winans, "Hit U From The Back" feat. Rodney oder mit "It's My Time" feat. Lyfe Jennings. Alle diese Songs sind recht entspannt und bringen etwas Abwechslung unter die ganzen harten Banger. Richtig fantastisch wurde "Street Life" mit Lloyd. Das Instrumental ist zwar schnell, wirkt dennoch traurig. Das Selbe gilt für Rick Ross' Verses, die perfekt durch Lloyd's gesungenen Refrain ergänzt werden. Zum Ende von "Port Of Miami" gibt's mit "It Ain't A Problem" noch mal einen richtigen Smash auf die Ohren. Der Beat ist im mittleren Tempo gehalten und durch einige Sythie-Sounds unterlegt, dazu rappen Ross und seine Crew, das Carol City Cartel, echt gut. Im großen und Ganzen wurde so gut wie jeder Song ein Hit. Auch das düstere "Cross That Line" mit Akon, das chillige "Boss" mit Dre, Gangster-Track "White House", Smoker-Chill-Song "Pots And Pans" mit J Rock oder das harte "I'm A G" mit Lil Wayne und Brisco sind richtig gut und lassen sich ohne zu Skippen durchhören. Mit viel Unterstützung von berühmten Producern und Rappern ist Rick Ross mit seinem Debüt nicht nur das beste Album der Slip-N-Slide Historie gelungen, sondern wohl auch der bisher beste Longplayer im Miami's Hip Hop-Geschichte. Jeder, der auf guten Dirty South Rap aus dem sonnigen Florida steht und auch gegen etwas übertriebene Mafiosi-Geschichten nichts einzuwenden hat, sollte hier unbedingt zugreifen.