Um es vorweg zu sagen: Das Porsche-Calendarium ist ein Glücksfall. Wohl noch nie ist es einem großen Traditionsunternehmen gelungen, ein in Umfang, Form und Inhalt so kompaktes und dabei gleichzeitig informatives Kompendium zur eigenen Firmengeschichte vorzulegen.
Die beiden Autoren (Porsche-Archivleiter Dieter Landenberger und Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger) widmen jedem Jahr der 75jährigen Firmengeschichte im Durchschnitt zwei Seiten. Und sie warten mit Überraschungen auf! Da erfährt man, daß 1932 eine russische Delegation an Ferdinand Porsche mit der Bitte herangetreten war, als Generaldirektor den Aufbau der sowjetischen Automobilindustrie zu leiten. Für viele Leser dürfte auch die Darstellung der zahlreichen Fremdentwicklungsaufträge neu sein, so etwa im Jahre 1932 der Bau eines Rennwagens für den sächsischen Automobilkonzern Auto Union und die Entwicklung eines Kleinwagens für die NSU-Werke oder 1937 die Konstruktion des stromlinienförmigen Hochgeschwindigkeitswagens T 80 für Mercedes-Benz. Auch dunkle Kapitel werden nicht ausgespart. So entwickelte Porsche während des Zweiten Weltkrieges u. a. Zugmaschinen, Schwimmwagen und mittelschwere sowie schwere Kampfpanzer für das Heereswaffenamt.
Breiten Raum findet in dem reich illustrierten Taschenbuch auch die höchst erfolgreiche Renngeschichte des Stuttgarter Unternehmens. Bei alledem werden aber nicht nur Autos dargestellt, sondern immer auch die Unternehmensgeschichte vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Landes. Dabei gelingt es den Autoren, immer wieder auch die Menschen hinter der Marke Porsche zum Vorschein kommen zu lassen.
Trotz, oder besser gerade wegen seiner Kürze ist das Calendarium nicht nur ein guter Überblick, sondern eben auch ein spannendes Nachschlagewerk zu 75 Jahren höchst bemerkenswerter Automobilbaugeschichte aus dem Hause Porsche.
Der Rezensent wagt die Vorhersage, daß es nicht lange dauern wird, bis andere Unternehmen das Beispiel des Porsche-Calendariums kopieren und ein eigenes Firmen-Kompendium für die Westentasche verfassen werden. Möge ihnen dann ein ähnliches innovatives Qualitätsprodukt gelingen wie dem Zuffenhausener Verfasserduo.