Hier hat wieder ein Paar seine Liebe zueinander dokumentiert, oder eher den wunderbaren, realen Sex, den sie miteinander haben. Aber Radisic geht weiter, bleibt nicht bei der Dokumentation stehen, sondern setzt die Bilder in einen eigenen künstlerischen Kontext, lässt die ausschitthaften Blitzlichter auf das Geschehen eine eigene Dynamik entwickeln, selbst eine Geschichte erzählen. Es geht ihm nicht darum, die Lust aufeinander für die Ewigkeit haltbar zu machen. Die Bilder emanzipieren sich von ihren Protagonisten und entwickeln ihr eigene Realität, gehen Verbindungen miteinander ein, obwohl sie vielleicht nicht zur gleichen Zeit, vielleicht nicht im gleichen Raum entstanden.
"Pornscapes" ist ein ganz und gar passender Titel. Aus dem Zusammenhang gerissen, mögen einige der entstandenen Bilder vielleicht befremdend pornographisch wirken, sind aber doch nur subjektive Eindrücke des Erlebten eines Paares, dass seine Lust feiert, indem es sich gegenseitig ebenso rauschhaft fotografiert, wie es Sex hat. Was für die einen ein verdammenswerter Blick auf die Natur ist, wird in diesem Bildband zu einem Gedicht und zu einer sehr rührenden Liebeserklärung des Künstlers an seine Frau Anne Bernard.