Nippelalarm bei Janet Jackson, Pamela Anderson beim Oralsex mit Tommy Lee, One Night in Paris (Hilton) - nur einige Beispiele des Trends Pornografie in ein provokantes Gesellschaftsspiel zu verwandeln.
Jenna Jameson ist mit ihrer Autobiografie einen Schritt weiter gegangen. Sie strebt die Glorifizierung an. Oberflächlich betrachtet könnte man ihr Buch als ein mutiges, ehrliches Werk bezeichnen. Freimütig plaudert „der größte Pornostar der Welt" über den frühen Verlust der Mutter, die Kindheit, in der es keine Geborgenheit gab, über zwei Vergewaltigungen, Drogenkonsum bis zur Abhängigkeit, Zusammenbrüche, Entzug, erneuten Rückfall, schlechten und guten Sex, die falschen Lebenspartner und natürlich: Sex vor der Kamera. Frei von jeder Diskretion ist das ganze zusätzlich mit intimen Details ihrer Begegnungen mit Tommy Lee, Marilyn Manson, Bruce Willis und Silvester Stallone garniert. Durchaus unterhaltsam.
Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich diese amerikanische Erfolgsstory der etwas anderen Art jedoch als eine Geschichte, die zwischen den Zeilen interessant wird. In einer der vielen Anekdoten wird Jameson von Howard Stern gefragt, ob sie in ihrer Jugend missbraucht worden sei. Sie verneint diese Frage und begründet dies im Nachhinein so, dass sie sich nicht als Opfer sehen wollte. Als Überlebensstrategie offeriert sie uns die Lüge, die Intrige, den Geiz und die Verschwendungssucht. Sex als Manipulationswerkzeug, mit dem man sich die Macht zurückholen kann.
Trotz Co-Autoren stellen sich keine echten Einsichten ein. Zwischen der immensen Angst vor Nähe und den Missbrauchsgeschichten wird überhaupt kein Zusammenhang hergestellt. Somit ist das Buch trotz scheinbarem Optimismus und aufgesetztem Happy End eine häufig sehr traurige Lektüre über ein verpfuschtes Leben, in dem Geld und Ruhm die Wunden zupflastern müssen.