Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Five dark stars are never enough, 6. Februar 2007
Ich habe mir lange überlegt, für welches Album ich mein letztes Hemd geben oder welche Platte selbst der Exekutor nicht bekommen würde. Eigentlich war es kein langes Überlegen, es war immer schon klar. Es wäre die "Pornography". Das Album besticht durch frenetische Schärfe (sowohl lyrisch als auch musikalisch) wie kein anderes Cure Album zuvor. Auf "Pornography" jagt ein Existenzkampf den nächsten, es birgt keine Auswege in sich, es ist in sich verschachtelt und dennoch ruht es. Es ist wirklich perfekt. Mit "it doesn't matter if we all die" fängt Herr Smith die Scheibe an, an der die Band beinahe zerbrochen wäre. Die Kritiker vernichteten das Werk (obwohl "the hanging garden" als Single sehr erfolgreich war), da sie es nicht begreifen konnten und es als gewaltverherrlichend empfanden.
Doch noch nie war The Cure Bands wie "Bauhaus", "Joy Division" oder "Siouxsie and the Banshees" so gefährlich nahe und doch gleichzeitig so weit voraus - so ein Album konnte man nicht mehr toppen - und so fand eine Zäsur innerhalb der Schaffensperiode Cures statt. Die Alben danach waren fröhlicher, ruhiger, zuweil beschwingter - einfach anders, leider oft ohne diese dichte Intensität und Bedrohlichkeit.
"Pornography" besticht durch seine Kühle und akzentuierte Bestimmtheit (z.b. das fahle Schlagzeug bei "siamese twins"). Smiths Stimme hat sich stark gebessert, bettelt nicht mehr - vermehrt werden Echopassagen eingesetzt ("the figurehead"). Nötige Härte, Zorn und Verbissenheit ("one hundred years" und "cold"; auf "cold" hat Herr Smith sogar selbst den Chellopart übernommen!) treffen auf harte Percussions ("the hanging garden" und "a short time effect").
Einziger Lichtblick bietet "a strange day" ("give me your eyes that I might see" - Textzeile, erinnert irgendwie von der Stimmung her an die Bildsprache von "Schweigen der Lämmer"), das mit seinen dichten Gitarren und seinem wunderschönen Waverefrain für mich beinahe den besten Curetrack aller Zeit darstellt, zumal das Schlagzeug auf diesem Song (vrgl. Auch "cold" und "one hundred years") optimal eingesetzt worden ist. Auch das auf "stange day" folgende "cold" ist ein Anwärter auf den Stockelplatz, zumal es mit einem eigenartigen Synth begleitet wird, der am Ende des Liedes beinahe vor grauenhafter Perfektion (klingt wie ein Schrei) das Stimmengewirr des letzten Songs "pornography" zur Strecke bringt.
Verhalten und mit einem bedrohlichen Stimmengewirr wird die Platte mit "pornography" beendet - es klingt, als würde der Song von irgendwoher kommen, was einem unbekannt erscheint - und dieses Irgendwo würde verdammt tief unter der Erde in einem Kalauer liegen und warten, bis man in denselbigen runterfällt oder am Ende gar in selbigen runtergezogen wird. Was einen da unten erwartet, das möchte ich an dieser Stelle lieber nicht wissen. Dieses Album ist grandios und überschattet alle Alben vorher und nachher und sowieso. Noch nie so was gehört ("I might fight this sickness, find a cure...." - abschließende Zeile des Albums), gespürt und verstanden.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bedrückend. Verstörend. Depressiv - Goth Rock at it's best!, 27. Juni 2008
"It doesn't matter if we all die!" - Schon die Eröffnungszeile zu The Cures 1982er Machwerk 'PORNOGRAPHY' lässt einen verstört staunen. Gut, die Gruppe gehörte lyrisch gesehen nie zu den fröhlichsten und lebensbejahenden, dennoch, ein derartiges Programm war man trotzdem nicht gewohnt. "Waiting for the death blow"? Robert Smith, sie sind beängstigend. 'PORNOGRAPHY' ist während einer sehr düsteren Schaffensphase der Goth Rocker entstanden, die sich eindeutig von den frühen naiv-alternativen Nummern und den späteren, verspielten und experimentellen Alben unterscheidet, und das nicht nur textlich.
Das Album wird durchgehend von einem sehr beklemmenden Synthie-Drum-Beat begleitet, unter dem sich teils verwirrende, wehleidige, teils aber auch sehr einfach gehaltene Gitarrenmuster bewegen. Die Drums sind tragen einen nicht unwesentlichen Teil zur Atmosphäre bei. Hart und beissend bei Songs wie 'ONE HUNDRED YEARS' oder 'THE HANGING GARDEN', zurückhaltend und bedrohlich bei 'SIAMESE TWINS', dann wieder donnernd und erdrückend bei 'COLD'. Die Rhytmussektion lädt diesmal sicher nicht zum Wohlfühlen ein. Unterstrichen wird das stellenweise von den sehr genauen Basslinien oder dröhnenden Synthieflächen, die eine unglaublich dichte Endzeitstimmung erzeugen, wie man sie wohl nur Anfang der 80er empfinden konnte. Über all dem schwebt die klangende Stimme von Robert Smith, die diesmal weit verlorener wirkt, als man es sonst gewohnt ist. Eine bilderbuchartige Albtraumszene.
Nach mehrmaligen Hören kristallisiert sich 'A STRANGE DAY' als absolutes Highlight heraus. Das verspielte Riff im Refrain stellt einen hervorragenden Kontrast zur klinischen Atmosphäre, die von Drums und Synthies erzeugt wird dar, und auch der Gesang wirkt eine Spur weniger wehleidig, als in den anderen Songs.
Ganz klar, 'PORNOGRAPHY' ist alles andere als Gute-Laune Musik. Verstörend, beängstigend und nihilistisch, aber trotzdem auf ihre Art und Weise ein ganz besonderes Kleinod im Back Katalog der Gruppe. Nichts für den Alltag, aber ein Must Have im Plattenschrank für die gewissen Momente, an denen man im Selbstschmerz versinken möchte. Ganz gemäß dem Ende: "Find a sickness, find a cure!"
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einfach genial!, 19. November 2008
Was kann man zu Pornography noch sagen? Es ist sicher das intensivste, frenetischste, härteste und düsterste Album, das die Band je gemacht hat. Wie man so einen Meilenstein zustande bringt zu einem Zeitpunkt als Smith nach eigenen Angaben vor lauter Drogen zum Teil gar nicht wusste, wo ihm der Kopf stand, ist mir ein Rätsel. Im Nachhinein sind die Songs wohl intensive Hilferufe und ein Kampf mit den Drogendämonen. Ob es die Platte in der Form gegeben hätte, wenn Smith nicht in jeder Hinsicht bis an die Grenzen gegangen wäre (er arbeitete, glaube ich, gleichzeitig als Gitarrist im Studio und auf der Bühne für Siouxsie & the Banshees und nahm nachts dann Tracks für Pornography auf) bleibt fraglich. Es war derart intensiv, besonders die Tour zum Album, dass ein Endpunkt erreicht war. Die besten Songs, und dies ist ein Album ohne Füller oder auch nur einen einzigen schlechten Song, sind für mich 100 Years, Siamese Twins, The Hanging Garden, der Titeltrack. In einer eigenen Superliga der Meisterklasse-Songs spielen The Figurehead und Cold (der Bass als einzigartiges Melodieinstrument über diesem wabernden Synthie- und Celloteppich, Wahnsinn!) Diesen Song 1996 und 2000 live zu hören zeigte mir erst recht seine Extraklasse. So ein Lied gibt es sonst nicht, das macht niemand so, das ist ein ganz eigenes Klangerlebnis. Toll natürlich auch die Tom-tom-Rhythmen auf "Figurehead" und "Hanging Garden", die Smith höchstpersönlich entwickelte, da Lol Tolhurst wohl manchmal noch indisponierter war als er.
Wer Pornography noch nicht gehört hat, hat eines der großen Alben der Musikgeschichte noch vor sich, oder vielleicht wird er es nie verstehen. Jedermanns Sache ist das Album nämlich bestimmt nicht, doch wer es für sich entdeckt hat, den lässt es nicht mehr los.
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