Bar jeder Kontaktallergie, aber über weite Strecken des Manuskripts auch bar jedes empathischen Verständnisses für die Erotikindustrie berichtet der Autor profund und informativ über die aktuelle Pornolandschaft Deutschlands. Einzig negativ fällt des Autors Hang auf, uns quasi in jedem Kapitel mit seinen eigenen Gefühlen über das von ihm Dokumentierte zu konfrontieren. Das Buch hat immer da seine Stärken, wo es sich auf die rein sachliche Schilderung fokussiert. Der Autor erweist sich als guter Rechercheur, der sich tiefgründig in das Thema einarbeitete und Gesprächspartner ausfindig machte, die etwas zu erzählen haben und sich auszudrücken verstehen. Beides Eigenschaften, die in der Szene eher rar gesät sind.
Wir erfahren davon, dass der Beruf des Pornodarstellers, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nur als Zweitjob ausübbar ist, weil die Verdienstmöglichkeiten eher bescheiden sind. Detailverliebte Schilderungen vom Set bekannter Pornoproduktionen von GGG, John Thompson, bis Magma, Nils Molitor, lassen einem beim Lesen wie mittendrin beim Pornodreh dabei fühlen. Das ist sensationell geschrieben. Aus dem Nähkästchen plaudert ein Produzent unter anderen aus, wie man künstliches männliches Liebessekret auf das Gesicht einer Darstellerin schummelt, wenn sich der agierende Herr trotz aller Bemühungen nicht zu entsagen schafft. Im Notfall kommt dann Milchmädchen von Nestle zum Einsatz. Das im Grunde jeder Pornodarsteller während eines mehrstündigen Drehs irgendwann zumindest mal kurzfristig Erektionsprobleme bekommt, erscheint zwar alleine aus rein physischen Gründen logisch, aber das viele Filme ihre Wirkung erst durch technischen Einsatz und guter Schnitt-Technik entfachen, muss dem geneigten Konsumenten einfach mal in dieser plastischen Form geschildert werden, damit er einzuordnen versteht, was er dort eigentlich sieht.
Ein Buch, das in keinem Haushalt fehlen darf, in dem hinter geschlossenen Buchreihen ein Pornofilm versteckt ist. Ein Buch, was dem Pornographen die Augen öffnet: mit Erotik, mit sexueller aufgeheizter Atmosphäre hat ein Pornodreh rein überhaupt nichts zu tun. Und dennoch zeigt gerade die letzte Station Nummer 23 in einem Dominastudio (Warteliste für die Folterbank), dass Kreativität, Originalität und eine echte Leidenschaft für das Dargestellte möglich sind. Diese haben im aktuellen Mainstreamporno jedoch nahezu ausnahmslos keinen Platz.