Wenn Porcupine-Tree-Mastermind Steven Wilson ein Projekt angeht, so macht er keine halben Sachen - das wird auch wieder auf der vorliegenden DVD mehr als deutlich. Unglaublich fetter, dennoch nicht zu übertriebener (sprich: künstlich aufpolierter) Sound, gutes Bild und eine großartige Performance, die von den hervorragenden Musikern souverän dargeboten wird, ohne großes Gepose oder dämliche Ansagen. Die fünf Jungs kommen dank ihrer ruhigen Art unglaublich sympathisch herüber, mein Favorit ist auf jeden Fall Bassist Colin Edwin. Ich glaube, neben dem könnte eine Bombe einschlagen und er würde unbeeindruckt weiter die Basssaiten zupfen. Ein tierisch cooler Typ.
Die teilweise Kritik an Gavin Harrison kann ich nicht nachvollziehen, der Kerl ist so ein grandioser Schlagzeuger und ich finde, er übertreibt es kein bisschen, meiner Meinung nach ist alles perfekt, was er macht und die Einlage beim "Hatesong" für mich eher eine Art Drum-Solo innerhalb des Stückes.
Was Meister Steven Wilson selbst betrifft, so hätte es vielleicht schon ein bisschen mehr Kommunikation mit dem Publikum sein können, etwas unverständlich ist es für mich schon, fast sämtliche Ansagen herauszuschneiden, aber wie gesagt, immer noch besser als dummes Gelaber und außerdem zählt letzten Endes selbstverständlich die Musik.
Die Songauswahl gefällt mir durchaus, klar, dass das Hauptaugenmerk auf dem letzten Output "Deadwing", sowie auf dessen Vorgänger "In Absentia" liegt, außerdem bekommen wir einiges vom hervorragenden "Stupid Dream" zu hören und von "Lightbulb Sun" leider nur den "Hatesong". Hat übrigens auch was, auf den "Hatesong" das Stück "Don't Hate Me" folgen zu lassen...
Möglicherweise hätte man noch ein paar alte Sachen wie "Signify", "The Sleep Of No Dreaming" oder ähnliches zocken können, aber das können Wilson und Co. ja beim nächsten Mal nachholen; Abwechslung jedenfalls ist bei Porcupine Tree trotzdem immer dabei.
Das Wechseln zwischen Schwarz-Weiß- und normalem Bunt-Bild finde ich persönlich gut, da es zum psychedelischen Flair, das Porcupine Tree anhaftet, gut passt, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Ansonsten finde ich es sehr nett, den Saitenriss bei "Trains" drinnen zu lassen, da die Band aber mitten im Song weiterspielt, blieb ihr am Ende allerdings wohl auch nichts anderes übrig. Jedenfalls beweist Wilson Humor, indem er sagt "Oh... we were doing so well" und "Where was I standing?" Genauso zuvor, als er den letzten Song ankündigt und einer aus dem Publikum "Freebird!" brüllt und er entgegnet: "Not 'Freebird' - that's tomorrow, okay? Full seventeen-minute-blow-out-version."
Abschließend bleibt für mich nur das Fazit zu ziehen, dass diese DVD hohe Suchtgefahr birgt, der Ton allein schon ist so geil, dass man das Ding immer wieder gucken muss und Songs wie "Halo" und "Arriving Somewhere But Not Here" kommen live tatsächlich noch fetter, wie schon jemand anders hier zurecht anmerkte. Wer sich die Scheibe nicht besorgt, verpasst auf jeden Fall was. Genau wie die, die nicht zum Konzert gehen, wenn Porcupine Tree in ihrer Stadt spielen...