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"Mir fehlen fast die Worte, so großartig ist dieses Buch", jubelt der Rezensent des Svenska Dagbladet angesichts des skandinavischen Überraschungserfolges. Völlig zu Recht! Welche Fabulierlust da oben doch gedeiht! Filmisch gesprochen: Hätten Woody Allen, Kaurismäki und Ingmar Bergman zusammen ein Drehbuch à la Astrid Lindgren plus Sex & Råckönråll gesucht -- Mikael Niemis komisch-melancholische Nordkaff-Saga von Mattis pubertärer Erweckung wäre die perfekte Vorlage geworden.
Als wäre die Schroffheit ihres geliebten Tornedals nicht genug, scheinen seine Bewohner auch seelisch verkarstet. Der Geist des Hausapostels Laestadius weht allerorten, der Geist eines Predigers, der hier in grauer Vorzeit die Gegend von Sünde und Lotterleben reinigte. Das laestadianisch-lustfeindliche Motto vom Leben als stetigem Weg bergauf findet bei Matti und Niila naturgemäß wenig Anklang. Verlockender scheinen da schon Råckönråll und Tornedal-Mädels. Beide Ziele jedoch liegen noch in weiter Ferne.
Im fahlen Nordlicht wird Matti Zeuge skurrilster, oft mythisch angehauchter Ereignisse. Niemi lässt dabei ein beachtliches Personal knorrigster Charaktere aufmarschieren. Laestadius zum Trotz, finden Fress-, Sauf-, Rauf- und Saunagelage statt, die die Wikinger-Vorfahren erbleichen lassen würden. Unikum Greger, der neue Musiklehrer, ein Rennradfan, regelmäßig von Hunden auf Trainingsfahrten durch die Tundra gehetzt, wird für die Jungen zur Offenbarung. Greger liebt Hendrix! Highlight des Buches ist eine von Matti veranstaltete, verheerende Rattenvernichtungsaktion, die den halben finnischen Waldbestand (und den Leser fast den Mageninhalt) kostet, als Lohn aber Mattis erste E-Gitarre einbringt. Ziel Nummer zwei lässt auch nicht lange auf sich warten. Mattis langer Marsch aus dem Tornedal ins Leben: ein zutiefst menschliches, gnadenlos komisches Buch! --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Nein, ich vermisse kein durchgehendes Handlungsgerüst; denn so wie man sich im Leben später an die farbigsten Episoden der Kindheit und Jugend swchlaglichtartig erinnert, so ähnlich ist dieser Roman aufgebaut. Und wie im Leben gibt es keine durchgehende Handlung und Moral sondern viele bunte Einzelpersonen, denen man immer wieder begegnet, die sich langsam entwickeln und die im Leben nicht alle gleichermaßen vom Glück begünstigt werden. Da das Erwachsenwerden aber überall gleich schwierig ist, hat der Roman viel innere Wahrheit und ich konnte vieles nachvollziehen.
Das Buch spielt in der ödesten nordschwedischen Provinz. Eine Gegend, die dank ihrer widrigen Klimaverhältnisse, Armut und Rückständigkeit ein Sammelsurium verschrobener Eigenbrötler und Kauze hervorbringt. Eine Provinz die der Autor doch liebt, wie man nur den Ort lieben kann, an dem man aufgewachsen ist. Mit dem deftigen und komischen Roman hat Mikael Niemi seiner Heimat Tornedal ein Denkmal gesetzt.
Ich empfehle das Buch als Reiselektüre für den Finnlandtrip oder eben für ein verregnetes Wochenende. Wenn man nämlich über das Sommerwetter Nordschwedens liest, gefällt es einem zuhause gleich wieder viel besser.
Im Buch sucht man einen roten Faden wohl vergebens. Im Gegenteil, es eignet sich wirklich dazu, als Zweitlektüre nebenbei gelesen zu werden. Auch nach längerer Unterbrechung kommt man sofort wieder in die Geschichte eines neuen Kapitels, da oftmals außer Matti und Niila alle anderen Figuren ausgetauscht sind. Die Geschichten wirken absurd und doch kann man es für möglich halten, dass jede einzelne so ähnlich passiert ist. Natürlich vorgetragen mit einer gewissen Übertreibung, die aber wohl auch von allen Leuten in der Provinz angewendet wird, um den Ruhm und die Ehre ihrer Familie zu belegen.
Ich habe herrlich lachen können. Niemi ist ein sehr guter Erzähler. Sein Erzählstil alleine verbreitet schon einen großen Charme. In seine Charaktere kann man sich beinahe aus dem Stande verlieben. Ich würde das Buch kein Meisterwerk nennen, aber es ist sehr gut lesbar, jedes Kapitel in sich fesselnd, und es versprüht gute Laune, Erinnerung und Nostalgie. Wer leichte Unterhaltung sucht, ist hier gut bedient.
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