4.0 von 5 Sternen
Unverzichtbares Material zu den Grundlagen des westlichen Demokratie-Modells, 17. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Karl Poppers Sozialphilosophie. Politische und ethische Implikationen (Taschenbuch)
Karl Popper hat sich zwar vor allem als Wissenschaftstheoretiker mit seiner Falsifikationstheorie einen Namen gemacht, aber es ist seine Sozialphilosophie, die ihn in politischen Kreisen zu einer vielzitierten Referenz werden ließ. Seine Thesen haben ihm den Status eines Hausphilosophen der sozialdemokratischen Parteien verschafft. Helmut Schmidt war mit ihm bekannt und befreundet. Gerade weil Popper diese Bedeutung als Theoretiker der westlichen Demokratien beigemessen wird, ist die kritische Auseinandersetzung mit seinen Schriften unverzichtbar.
H. Stelzer scheut nicht davor zurück, einige der Schwächen von Poppers "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde" bloßzulegen. Er zitiert John Watkins (S.22), der Popper bei dessen Darstellung der Griechischen Revolution einen "Hauch von Hegelschem Historizismus" vorwirft (John Watkins 1999, "A whiff of Hegel in The Open Society?" Bezeichnenderweise läßt ja Popper an Hegel als Philosophen und am Historizismus von Hegel und Marx kein gutes Haar. Ausführlicher befaßt sich Stelzer mit Poppers Hang zu Schwarz-Weiß-Gegensätzen: geschlossen/offen, fortschrittlich/primitiv, planwirtschaftlich/marktwirtschaftlich, irational/rational, magisch (mystisch)/wissenschaftlich, totalitär/demokratisch, traditional/modern, dogmatisch/kritisch etc. Er meint, daß sie Poppers Schrift eine besondere polemische Kraft verliehen, aber den Blick auf die komplexe Realität versperrten.
Dieses Buch ist gewissermaßen eine Fundgrube. Es bekommt 4 Sterne vor allem wegen der Bedeutung des präsentierten Materials. Man darf es als sehr gut kommentierte, umfassende Sammlung der kritischen Literatur zu Poppers Sozialphilosophie betrachten.
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