Ganze vier Jahre ließen sich Bananarama Zeit, bis sie nach ihrem Hitalbum "Wow" den Nachfolger "Pop Life" 1991 veröffentlichten. Pop Life wurde zur Zerreißprobe für die in den frühen 90er Jahren noch große Fangemeinde. Mit diesem Album vollzogen die Nanas wohl den radikalsten Image- und Soundwechsel ihrer Karriere. Schon das Booklet vollzieht den Wechsel von dem "Girl-Next-Door"-Image, was Bananarama bis dato hatten, hin zur bösen Maneater-Gang - tun Bananarama im Booklet doch nichts anderes als sich lasziv und kettenrauchend nur in Netzfummeln bekleidet in großzügigen Betten räkeln - das Auge hört schließlich auch mit.
Die Vorabsingle "Only Your Love" kündigte einen drastischen Richtungswechsel an: Hier war nichts mehr von dem naiv-fröhlichen Singalong-Sound von SAW zu hören, die Bananaramas der 90er klangen auf ihrem neuen Material rauh und ungeschliffen - beinahe wie Demoversionen für noch nicht vollendete Tracks. Youth und Jolley zeichnen sich für die Produktion dieses Albums verantwortlich - und es gehört zum Besten und Innovativsten was die Mädels je veröffentlicht haben. Die erste Hälfte des Albums ist dabei noch die eingänglichste. Preacher Man ist ein temporeiches Stück Dancefloor mit wummernden Bässen und einem süchtigmachenden Refrain. Die obligatorische Coverversion eines jeden Albums stellt hier Long Train Running dar, im Original von den Dooby Brothers. Bananarama hüllen den Track in ein wunderbares Flamenco-Kleid und hier waren sie ihrer Zeit wohl weit voraus, wurde der Latino-Sound doch erst ein knappes Jahrzehnt später massentauglich.
Mit Beginn der zweiten Hälfte (damals noch Seite B) lassen's die Mädels dann so richtig krachen: Outta Sight - was ist das denn? Hat sich da etwa der Song eines fremden Künstlers aufs Album verirrt? Die E-Gitarren bratzen, die Bässe stampfen, hysterischer, fast kreischender Gesang. Wären Bananarama in der Blütezeit der Rolling Stones und Woodstock schon aktiv gewesen, hätten sie wohl so geklungen. Ein herrlicher und absolut unvorhersehbarer Track! Megalomaniac tut dem Gleich: Überraschend treibende straight-forward Instrumentalisierung und ungewohnt aggressiver Gesang. I Can't Let You Go präsentiert sich chillig und doch mächtig groovend - ein grandioses Stück Minimalistic House - auch ein Genre, welches sich erst Jahre später so richtig etabliert hat. Einzig der abermals SAW-produzierte Album-Closer "Heartless" klingt etwas fehl am Platz - ein verdammt starkes Album klingt somit etwas zu beliebig aus.
Pop Life floppte seinerzeit mit einer Höchstplatzierung auf # 46. Der Stilwechsel der Gruppe war wohl zu radikal für das Veränderungen hassende Mainstreampublikum. Bananaramas Mut, musikalisches Neuland zu erforschen wurde mit Ignoranz abgestraft. Dieser Umstand ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Bananarama hiermit ein grandioses Album produzierten, welches 16 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung über große Strecken immernoch taufrisch und innovativ klingt. Pop Life ist eine absolute Perle nicht nur im Bananarama-Universum, sondern zählt zu den besten und richtungsweisenden Pop-Platten der frühen 90er.