Habe den anderen positiven Rezensionen nichts hinzuzufügen, finde aber die 1-Stern-Kritik so am Thema vorbei, daß ich hier eine Richtigstellung wagen will:
Die Animes von Hayao Miyazaki bzw. dem Ghibli-Studio erzählen stets abgründige, auch doppelbödige Geschichten über Zerstörung, Krieg und Gewalt, aber immer auch über Mut und Hoffnung, also die Möglichkeit, diesen "schlimmen Dingen" entgegenzutreten. Oft geht es um den modernen Menschen, der Tieren, Göttern oder Geistern den Lebensraum nimmt und dabei selbst etwas verliert. Aus Miyazakis Filmen spricht die Sehnsucht nach einem Einklang mit der Natur, nach friedlichem Zusammenleben von Menschen und anderen Kreaturen. Die spirituelle Seite dieser Märchen mag uns Europäern manchmal sonderbar, auch kindlich erscheinen, ist aber mit der Kultur und Religion Japans (Shinto) eng verbunden. Immer wieder tauchen in Miyazakis Animes bedrohliche Gottheiten auf, die als Naturgewalten Menschen bedrohen oder Rache an ihnen üben. Das ist kein Spaß, sondern eine tiefgründige Art, unser heutiges Leben in Frage zu stellen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu politisieren. Europäische Kinder mögen sich an den spektakulären Bildern und den "niedlichen" positiven Gestalten dieser Filme erfreuen, aber manche Kinder fühlen sich auch von der Emotionalität und Brutalität der fremdartigen Geschichten überfordert oder erschreckt. (Was nicht schlimm ist, denke ich, Grimms Märchen sind ja auch kein Pappenstiel.) In "Ponyo" geht es nicht zuletzt um das Akzeptieren und Begreifen von Altern und Tod, auf so sensible und humorvolle Art, daß es eine Wonne ist.