Wer hat nicht innerlich mitgelitten als seinerzeit der Film über Pompeji lief und wie oft hat man uns nicht in der Religionsstunde, als man auf diese untergegangenen Städte am Vesuv zu sprechen kam, darauf hingewisen: es könnte ja auch die Strafe für das lockere Leben gewesen sein, dieser fürchterliche Ausbruch im Jahre 79 nach Christi Geburt.
Hier, in diesem hervorragend gemachten Begleitbuch zur Ausstellung für die Reiss-Engelhorn Museen werden die wirklich dramatischen Stunden damals nocheinmal nachvollzogen anhand von Bildern, die erschrecken, berühren, zur Bewunderung anregen ob all der damaligen Herrlichkeit eines fast paradiesischen Lebens.
Die Städte Pompeji und Herculaneum waren, wie man so sagt und wie es im Begleittext auch steht, "unschuldig". Es waren relativ kleine Städte. Aber sie waren eben zu nah am gefährlichen Vesuv gelegen.
Mosaiken, Bilder, Statuen, versteinerte Menschen in allen Lebenslagen, verbrannte Reste aller möglichen Gegenstände, berückende Farbreste an den Wänden und die Zeugnisse einer lebensfrohen, ja extrem ausgelebten Sinnesfreude geben uns zu Überlegungen Anlass, ob nicht in allem doch ein Hinweis dahingehend steckt, was wir tunlichst beachten sollten.
Es wurde viel hineingeheimnist in dieser Hinsicht und einige Dichter und Autoren haben sich, wie man weiß, dieses Themas angenommen.
Pierre Giovanni Guzzo, einer der Herausgeber schreibt in seinem Artikel denn auch, warum diese Orte am Vesuv für die Forscher des Altertums so interessant sind und Eric M. Moormann, der in seinem hervorragenden Artikel auf die Literatur hierzu Bezug nimmt, zitiert denn auch Leopardi, der im Gesang XXXIV seiner Canti dichtete:
"Qui su l`arida schiena
Del formidabel monte
Sterminator Vesevo"
"Hier auf dem kahlen Rücken
des schrecklichen Vesuv,
der alles zu Asche zermalmt"
Es ist wohl ein dauerndes Zeichengeben, es ist ein dauerndes Schlafen unter der so dünnen Erdkruste überall, dessen sind wir uns gerade jetzt wieder bewußt.
Dieser herrliche Band ist deshalb wohl ein Muß für jeden Interesierten an das schöne Leben, die Kunst und die Vergänglichkeit dessen, was wir so stolz vollbringen.