In seinem neusten Roman beschreibt Robert Harris die Verwicklungen und Intrige in die der junge Aquarius Marius Attilus in den letzten Tagen vorm Untergang Pompejis (im 1. Jahrhundert) verstrickt wird. Im Gegensatz zu Harris bisherigen Romanen findet sich der Leser diesmal nicht mit einem Thema des 20. Jahrhunderts konfrontiert. Heisse Verbiegungen der Geschichte, wie in "Vaterland" oder "Aurora" hat man nicht zu erwarten. Es lässt sich fragen, warum sich Harris gerade den viel beschriebenen und auf den ersten Blick für heute wenig brisanten Untergang Pompejis ausgesucht hat, lässt sich nur erahnen. Ein Vergleich mit dem 11. September 2001 drängt sich nicht zwingend auf, weil andere Ursachen eine Rolle spielen. Aber beide Ereignisse verbindet, dass sie im Kernland einer Weltmacht geschahen und das Vorboten ignoriert wurden. Harris ist ein Meister, wenn es darum geht, die Stimmung einer Epoche einzufangen. Er erweckt die römischen Ruinen, die man vor Augen hat, wenn man an Pompeji denkt zum Leben. Die Grausamkeit und Willkür dieser Epoche, die Nichtigkeit eines Menschenlebens, die politschen Intrigen, Aberglaube und Schicksalsergebenheit. All dies ist in einer anschaulichen Sprache dargestellt. Vermisst habe ich die Spannung, die mich beim Lesen von Harris weiteren Romanen so gefesselt hat. Nach zwei Dritteln des Buches durchschaut man die Intrige. Man hält zwar den Atem an, weil man von vornherein weiss, dass Pompeji untergehen wird, aber die Hochspannung zerfällt. Trotzdem ist der Roman mehr als lesenswert. Harris Beschreibungen sind detailiert recherchiert und man gerät immer wieder ins Staunen über die beschriebene Epoche. Sehr gefallen hat mir auch die Gegenüberstellung einiger Zitate zu Beginn des Buches und einleitente Zitate über Vulkanologie zu Beginn jeden Kapitels, die den Geschehnissen Authentizität verleihen.