Vorwort
Lateinamerika? Nein, wie Lateinamerika sieht es auf der Avenida de Mayo in Buenos Aires wirklich nicht aus. Der Besucher dürfte sich wohl eher an den alten Kontinent erinnert fühlen, an Paris oder Budapest. Aber der erste Eindruck täuscht. Wer die Hauptstadt verläßt, merkt das schnell. Nirgendwo in Europa findet man eine ähnliche Weite der Landschaft, ein Naturschauspiel, das den Fällen von Iguazù vergleichbar wäre, solch riesenhafte Gletscher wie in den patagonischen Anden, oder Berge, die sich am Aconcagua, dem höchsten Gipfel Amerikas, messen ließen. So vielfältig wie die Landschaften sind auch die Kulturen: Den Indianern in den Nordwestprovinzen Salta und Jujuy steht die Flötenmusik des bolivianischen Hochlands näher als der Tango von Buenos Aires, und denen der Nordostprovinz Misiones ist das alte Guarani, das in Paraguay sogar Amtssprache wurde, vertrauter als das Spanisch, das heute auch die Nachfahren der ersten Waliser in Patagonien sprechen. Argentinien war und ist ein Einwanderungsland, in dem die meisten Völker Europas ihre Spuren hinterlassen haben. Schließlich kamen sie Anfang des Jahrhunderts zu Zehntausenden, um angesichts der Wirtschaftskrisen in Europa ihr Amerika zu machen.
Erstaunlicherweise ist Argentinien als Reiseland lange unentdeckt geblieben. Vielleicht liegt es an den fehlenden Zeugnissen präkolumbischer Kulturen, vielleicht an den riesigen Entfernungen und der Infrastruktur, die mitunter zu wünschen übrig läßt. Wer aber ein wenig abenteuerlustig ist und ein bißchen Spanisch spricht, für den wird selbst eine achtstündige Busfahrt unterhaltsam sein. Die so unterschiedlichen Argentinier haben nämlich eines gemeinsam: Offenheit Besuchern gegenüber.