Es gibt ja inzwischen jede Menge Kubaführer, aber dieser schlägt alle um Längen. Die einleitenden Kapitel schildern Kultur, Musik und Mentalität der Kubaner derart treffgenau, dass man bisweilen einfach schmunzeln muss. Mit viel Subtilität versteht es der Autor, dem Leser auch die Schattenseiten der Zuckerinsel nahezubringen, ohne dass einem dabei die Lust verdorben wird, trotzdem hinzureisen. Jedenfalls war ich gewappnet gegen Zigarrenhändler, sonstige Schlepper und Süßholzraspler, und habe statt dessen auf dem Land das wahre Kuba kennengelernt. Dabei waren die praktischen Infos extrem hilfreich. Während andere Führer fast ausschließlich Mietwagen empfehlen, weil das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kompliziert sei, gabs bei Rössig detaillierte Tipps, wie man mit Dollarbussen recht komfortabel (und um ein vielfaches billiger) durchs Land kommt. Hat sich wohl sonst noch nicht so rumgesprochen. Auch Emailadressen der kubanischen Hotels habe ich nirgendwo sonst gefunden. Ich könnte mir vorstellen, dass auch Pauschaltouristen das Buch brauchen können, weil auch jede Menge zu Sport und anderen Aktivitäten drinsteht. Toll war der Tipp, wie man für einen Bruchteil des Wahnsinns-Eintrittspreis ins Cabaret Tropicana kommt, oder wo die besten Salsagruppen spielen und wo man in Santiago Percussion lernen kann. Doch der Knüller war die Website, die der Autor als besonderen Service (kostenlos!) seinen Lesern bietet: darin nicht nur schöne Fotos sondern eine Liste von über 500 Privatunterkünften (casas particulares), in denen man schon ab 10 Dollar unterkommt. Was mir das an Hotelkosten gespart hat, kann ich gar nicht beschreiben! Und die Tipps waren goldrichtig: bis auf eine Casa, die etwas in der Qualität abfiel, waren alle Unterkünfte sehr nett und oft von anderen Touristen noch kaum entdeckt. Nicht nur zu diesem günstigen Preis ist Rössigs Reisbuch Kuba der mit Abstand beste Reiseführer auf dem Markt.