Nachdem die RHINO-CD von 1996 schon länger von der Bildfläche verschwunden ist und die Musik noch immer gerne von Filmmusikliebhabern gekauft wird, bringt SONY CLASSICAL die Musik wieder auf den Markt. SONY CLASSICAL bietet den gleichen Inhalt, wie die RHINO-CD, welche damals das zuvor nur 35 Minuten lange LP-Programm von MGM Records bereits vervollständigt hatte. Man bekommt den kompletten Score zu hören, sowie ein wenig nicht verwendetes Material.
Diese damals oscarnominierte Filmmusik (Musikoscar ging an John Williams: E.T.) trifft den Ton zum Film so perfekt, dass man sich keine bessere Musik zum von Steven Spielberg produzierten Gruselschocker Poltergeist (1982) vorstellen kann. Dies ist ein rein orchestraler Score, welchen man zu den besten Scores der Filmgeschichte zählen kann. In Fach-Reviews wird dieser Score nicht ohne Grund als ein Weltklasse-Score bezeichnet.
Es gibt mehrere musikalische Themen die den Score bestimmen:
- eine wunderschöne entspannende kindliche Melodie zur Hauptfigur, welche den Film friedvoll und sanft einleitet (Carol Annes Thema)
- das Thema, welches das Jenseits (die andere Seite) pastoral und religiös anmutend darstellt ("The Light")
- das bittersüße Questa Verde Thema (im Film u.a. kurz vor dem Abspann zu hören, als die Familie Questa Verde verlässt)
Zu diesen wiederkehrenden Themen schrieb Goldsmith für einzelne Sequenzen beeindruckendes Material. Geheimnisvoll und schön zugleich untermalt ist die Szene, in der die Hauptfiguren Geister die Haustreppe runter kommen sehen. Geister (Track: "Night Visitor"). Packend, teils melodisch und mitreißend wird der 1. Filmhöhepunkt begleitet: "Rebirth" - das ist die Musik zur Sequenz, in der Carol Anne aus dem Jenseits zurückgeholt wird. In diesem Stück wird das "The Light" auch als Thema für Liebe und Zusammenhalt kraftvol eingesetzt. "Rebirth" enthält auch leicht chorale Elemente, welche das übersinnliche Geschehen perfekt musikalisch wiedergeben. "Rebirth" ist großartiger Track, den man auch gut losgelöst vom Film anhören kann!.
Der Score ist auch gespickt mit genialen musikalischen Effekten und unerwarteten Schreckmomenten.
Spielberg, welcher auf der LP die Liner Notes schrieb, wies darauf hin, dass man die Platte nicht unbedingt zur Nachtzeit hören sollte. Er sagte auch, dass man Goldsmiths Melodien nicht trauen darf. Damit meinte er, dass man sich nicht zu sehr entspannen sollte, wenn die Musik mal für einen Moment sanft und ruhig ist, da Goldsmith in jeden Moment wieder in eine bedrohliche, unheimliche oder plötzlich terrorartige Musik umschwenken kann.
Der 2. Filmhöhepunkt (die beiden Tracks vor dem End Title) wurde mit einer der heftigsten und aggressivsten Kompositionen untermalt, die Goldsmith je geschrieben hat. Nach einem zwar leisen aber zu tiefst düster-bedrohlichen Track-Beginn, in welchem das kommende Unheil richtig brodeln hört, holt Goldsmith zur urplötzlichen Mega-Attacke aus und steigert den Orchester-Terror von Minute zu Minute ohne dabei nur eine einzige akustische Atempause einzubauen. Die geniale terrorartige Vertonung geht wahrlich durch Mark und Bein und lässt ein regelrecht erschaudern. Im letzten Track hört man wieder die sanfte und schöne Melodie von Carol Anne, mit welcher man zu Beginn des Filmes den Zuschauers scheinheilig friedlich und angenehm auf den Film einstimmt hatte. Dieser Track endet aber mit einem verstörenden Kindergelächter nach dem letzten sanften Ton. Wieder ein Beispiel für Spielbergs LP-Kommentar, dass man Goldsmiths Musik nicht trauen darf!
Durch diesen extremen Kontrast von sanfter Musik zu Beginn und dem perfekten musikalischen Terror am Ende gelang Goldsmith eine perfekte Steigerung der Spannung und Intensität bis zum Schluss. Einen Vorgeschmack auf die krasse Musik am Ende ist in der Sequenz zu hören, wo Carol Anne entführt wird. Hier holt das Orchester ebefalls schon zum vollen Angriff aus.
Diese CD ist für jeden zu empfehlen der sich für Filmmusik interessiert und ihre Wirkweise studieren oder erleben möchte, sowie für alle, welchen diesen Spielberg Film (Drehbuch, Story und Produktion war von Spielberg, der auch ständig am Set war!) und Jerry Goldsmith mögen. Goldsmith hat neben Poltergeist noch viele andere geniale Scores geschrieben : z.B. Poltergeist 2, The Blue Max, Star Trek The Motion Picture, Secret of Nimh, The Wind And The Lion, Alien (1979), Under Fire, Lionheart, Mulan, Legend, Night Crossing - Mit dem Wind nach Westen, The Sum Of All Fears - Der Anschlag [tolles chorales Openeing Stück], The Mummy, Gremlins 1 und 2 u.v.m.!
Filmscore Monthly hat im DEZEMBER 2010 eine limitierte Doppel-CD zu diesem Film herausgebracht! Diese bietet noch zusätzlich den alten LP-Schnitt und alternatives Material sowie isgesamt noch besseren Klang, da man auf besser Quellen zurückgegriffen hat. Wer ALLES haben will, dem sei die auf 10.000 Stück limitierte Doppel CD von FSM (Filmscore Monthly) wärmstens empfohlen. Ansonsten hat man mit dem Sony Release eine günstige und bezogen auf das Material im Film eine komplette Version. Besserer Klang ist aber auf der limitierten FSM CD. Entscheiden sie selbst!!! Wer die Doppel-CD von FSM haben will, sollte aber nicht zu lange warten. Eine Goldsmith CD ist oft schnell ausverkauft, wenn sie limitiert ist und der Titel so hochkarätig ist wie hier!
Lukas Kendall (ein Produzent der begehrten Filmscore Monthly Cds schrieb im März 2010 auf der FSM-Seite: "To prevent people from spending money for nothing: we will have a 2CD Poltergeist out later this year. Mike Matessino is going back to the source elements to improve upon the Rhino edition and also add a second disc of alternates and the LP program."
Die Musik von Poltergeist:
Inspirierend, komplex, genial, schön, unheimlich und furchteinflößend! Filmmusik in höchster Perfektion!
Klare Kaufempfehlung für unerschrockene Filmmusikfans und welche, die es werden wollen!