Polizeiruf 110 - Box 4: 1974-1975
Es geht Schlag auf Schlag und so kommt hier die inzwischen schon vierte DVD-Box, mit zu Zeiten der existierenden DDR entstandenen Folgen des Straßenfegers "Polizeiruf 110", zur Veröffentlichung. Im Laufe der Zeit sollen es insgesamt neunzehn Boxen, mit beinahe allen der innerhalb dieser Reihe von 1972 bis 1991 abgedrehten mehr als 150 Folgen sein, die erstmals auf DVD verlegt werden. Für die hier vorliegende vierte Box der Reihe und deren Veröffentlichung mit weiteren acht Folgen des TV-Kults zeichnet das Label "Studio Hamburg/Enterprises" verantwortlich. Die dieses Mal von den DVDs zu erlebenden Folgen erlebten ihre Erstausstrahlung vom September 1974 bis in den November 1975.
Die nächsten Boxen stehen sozusagen bereits in den Startlöchern und so sollen allein noch im laufenden Kalenderjahr 2012 im Fazit ganze acht Boxen der Reihe zur Veröffentlichung und in den Handel kommen. Als zudem nettes Goodie werden alle Boxen, mit den Rücken ihrer Schuber nebeneinander aufgestellt, den Schriftzug "Polizeiruf 110" nebst einer Rundumleuchte zeigen.
Als am 27. Juni 1971 mit der Folge "Der Fall der Lisa Murnau" der allererste Fall der neuen Reihe seine Erstausstrahlung erlebte, ahnte damals wohl kaum jemand, dass dies der Anbeginn und Start einer inzwischen über vierzig Jahre andauernden Erfolgsgeschichte sein würde. Vonseiten der DDR als Gegenstück zum kurz zuvor gestarteten westdeutschen "Tatort" angedacht, fand der "Polizeiruf 110" dermaßen viel Zuspruch, dass er als eine der wenigen Sendungen sogar das Ende der DDR überlebte und noch heute fester Bestandteil im aktuellen Fernsehprogramm, mit seinen frühen wie auch neu produzierten Folgen, ist.
Die zu Zeiten der DDR abgedrehten Folgen des "Polizeiruf 110" in den von wechselnden Autoren aufgeschriebenen Geschichten, waren eigentlich nie reißerisch oder mit übertriebener Action und blutrünstiger Gewalt in Szene gesetzt. Vielmehr sahen sich die Macher in der Aufgabe des sachlich kritischen Ausleuchters und Analytikers der aufgezeigten Kriminalfälle. Im Ergebnis entstand und entwickelte sich so ein eben ganz eigener und dabei unverwechselbarer Stil in der Machart und Umsetzung innerhalb der Reihe "Polizeiruf 110".
Auch wenn die Macher des "Polizeiruf 110" zu Zeiten der DDR unter ständiger Beobachtung und Kontrolle von Anbeginn bis zur Abnahme der fertigen Produktion durch staatliche Institutionen standen, wurden dennoch auch gesellschaftlich sich kritisch mit dem System auseinandersetzende Themen behandelt. Gerade auch diese für DDR-Verhältnise relativ offene Art des Umgangs mit sonst in der Öffentlichkeit oft tabuisierten Themen wie zb. Alkoholmissbrauch, Gewaltverbrechen oder sexueller Missbrauch, sorgten mit deren Authentizität für eine hohe Akzeptanz und Beliebtheit der Reihe bei deren Zuschauern.
Einen weiteren und nicht unerheblichen Teil am Erfolg der Reihe machte auch die Besetzung mit erstklassigen Darstellern innerhalb aller entstandenen Folgen aus. In den von der hier vorliegenden vierten Box zu erlebenden acht Folgen hat sich inzwischen ein festes Ermittlerteam bestehend aus "Oberleutnant Fuchs" (Peter Borgelt 1927-1994) und Oberleutnant "Jürgen Hübner" (Jürgen Frohriep 1928-1993) sowie Sigrid Göhler als "Leutnant Vera Arndt" und Kriminalassistent "Lutz Subras" (Alfred Rücker) gefunden. Bedingt durch andere Verpflichtungen der Darsteller bei Film und Theater, ist die Besetzung der Ermittler diesen Umstand angepasst und nicht in allen Folgen gleich.
Interessant ist dabei, dass es den Autoren der Reihe und schlussendlich auch den Darstellern der einzelnen Charaktere der Rollen der Ermittler gelungen ist, diese höchst unterschiedlich aufzuzeigen. So glänzt der Oberleutnant und spätere "Hauptmann Fuchs", der oft auch als der "Maigret des Ostens" bezeichnet wurde, als der gesetzte Herr mit väterlicher Ausstrahlung und honoriger Art. Oberleutnant "Jürgen Hübner" ist der klare Analytiker und moderne Kriminalist mit Hochschulabschluss.
Als einzige Frau im Team zeigt sich "Leutnant Vera Arndt" einfühlend und mit weiblicher Intuition ausgestattet, was sich auf die Ermittlungsarbeit oft sehr positiv auswirkt. Kriminalassistent "Lutz Subras" ist allein schon wegen seines noch jungen Alters der Benjamin der Truppe. Auch wenn er in den Folgen dieser vierten Box schon bestimmter mit in die Ermittlungsarbeit eingreift, wird er von "Fuchs" dennoch hin und wieder mit der Strenge des Erfahrenen und in seiner Aufgabe als Vorgesetzter angemahnt.
Neben den bereits erwähnten und fest in die Reihe integrierten Darstellern gibt es zudem in jeder der Folgen Gastauftritte anderer zur damaligen Zeit und zum Teil noch bis heute sehr bekannter und beliebter Schauspieler des damaligen DDR-Fernsehens zu erleben. Einige der Namen der in den Folgen von dieser vierten Box zu erlebenden Mimen wären die von Erwin Geschonneck, Rolf Hoppe oder die von Fred Mahr und Heinz Behrens, um hier wirklich nur einige wenige zu nennen.
Erwähnt sei an dieser Stelle, dass die von der vorliegenden Veröffentlichung zu erlebenden insgesamt acht Folgen sich zwar in der chronologisch korrekten Reihenfolge ihrer Erstausstrahlung auf den DVDs finden aber dennoch nicht komplett sind. Leider existiert zu der eigentlich dreiunddreißigsten Folge der Reihe (Der Spezialist) keine Tonspur mehr, sodass diese dann leider auch bei den veröffentlichten Folgen von dieser vierten Box der Reihe, nicht mit dabei ist. Dafür kommt mit der Folge "Das Inserat" eine Folge, die noch bis 2010 als verschollen galt und die nur durch einen Zufall wieder gefunden wurde, zur Veröffentlichung.
Zu erleben sind folgend aufgeführte Beiträge:
- Das Inserat (Buch Ulrich Waldner, Regie Heinz Seibert)
- Der Tod des Professors (Buch G. Jäckel, Regie H.-J. Hildebrandt)
- Nachttaxi (Buch Hans Siebe, Regie Werner Röwekamp)
- Der Mann (Buch Horst Bastian, Regie Manfred Mosblech)
- Heiße Münzen (Buch Dieter Frenzel, Regie H.-J. Hildebrandt)
- Ein Fall ohne Zeugen (Buch Edwin Marian, Regie Roland Oehme)
- Die Rechnung geht nicht auf (Buch J. Plötner, Regie Thomas Jacob)
- Zwischen den Gleisen (Buch G. Mehnert, Regie Werner Röwekamp)
Die acht Folgen der vorliegenden Veröffentlichung finden sich auf drei DVDs, die einzeln entnehmbar in einem zweifach klappbaren Digipack mit drei Klarsichteinlegern lagern. Ein in Hochglanzoptik gefertigter und den bisherigen bereits verlegten Boxen der Reihe passend gestalteter Pappschuber bietet diesem Digipack den Platz zur repräsentativen wie auch sicheren Aufbewahrung im heimischen DVD-Regal.
Dafür, dass sich nach dem Einlegen der DVDs in den Player mit einer Texttafel für Einschränkungen in der zu erlebenden Bild- und Tonqualität, aufgrund des verfügbaren Ausgangsmaterials entschuldigt wird, bin ich dann doch mehr wie nur zufrieden, mit dem was dann zur Ansicht kommt. Die laut Cover mit einer Gesamtlaufzeit von in etwa 560 Minuten und im Bildformat Video Aspect 4:3 gezeigten Folgen bieten eine akzeptable und zum Teil schon geradezu verblüffend gute Qualität.
Auffällig ist, dass es zwischen den einzelnen Folgen Wechsel von mit in Schwarz/Weiss und bereits in Farbe produzierten Folgen gibt. Vier der von der hier vorliegenden Box zur Ansicht kommenden Folgen zeigen sich in Farbe, während die anderen mit einem Schwarz-Weiß-Bild aufwarten. Neben der Kostenfrage soll auch der Umstand, dass die Polizeiruf-Folgen ihre Erstausstrahlung stets im "Ersten Programm" hatten, mit ein Grund dafür gewesen sein. Anfangs nämlich zeigte nur das damalige zweite Programm des Fernsehens der DDR Sendungen in Farbe. Erst später und nach und nach sendete auch das erste Fernsehprogramm der DDR dann ebenfalls in Farbe.
Die DVD-Menüs zeigen sich in der Art und Aufmachung passend im Stil bereits vorhergehender Veröffentlichungen innerhalb der Reihe des "DDR TV-Archiv" gestaltet. Versehen mit einigen animierten Szenenausschnitten und der im Hintergrund zu hörenden Titelmusik der Reihe, sind sie übersichtlich und einfach bedienbar gehalten. Dargestellt in Textform, können aus dem sich nach Einlegen der DVD in den Player öffnenden Hauptmenü heraus, die jeweils zwei bzw. drei auf den DVDs befindlichen Folgen zur unmittelbaren Wiedergabe gestartet werden. Einige in den einzelnen Folgen gesetzte Marker ermöglichen eine optionale Anwahl und Kapitelsprünge.
Ein 12-seitiges bebildertes Booklet stellt in einem ersten Teil mit "Peter Fuchs" (Peter Borgelt) und "Vera Arndt" (Sigrid Göhler) zwei Mitglieder der "Einsatzgruppe Fuchs" vor. Von der zweiten DVD kommt ein speziell für diese Veröffentlichung erstellter und ca. 53 Minuten laufender filmischer Beitrag zur Ansicht. In diesem berichtet die Schauspielerin Ursula Werner (zu sehen als "Maria Sander" in der Folge "Ein Fall ohne Zeugen"), sehr interessant über ihre Erinnerungen an die damaligen Dreharbeiten und die Reihe "Polizeiruf 110" selbst.
Tonbewertung:
Der deutsche Ton bei dieser Veröffentlichung kommt im Format Dolby digital 2.0 zu Gehör. In der Beurteilung und Wertung seiner Qualität muss man fairerweise denn Tatsachen der technischen Möglichkeiten und Gegebenheiten der vor beinahe vierzig Jahren entstandenen Tonaufnahmen Rechnung tragen. Im Gesamteindruck sind die Dialoge zumeist gut verständlich. Bisweilen fällt ein sich in unterschiedlicher Intensität bemerkbar machendes Grundrauschen auf.
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