Polizeiruf 110 Box 2: 1972-1973
Nur wenige Tage, nachdem die erste DVD-Box mit den zu DDR-Zeiten entstandenen allerersten Folgen der Reihe "Polizeiruf 110" erschienen ist, folgt nun unmittelbar die Zweite. Wie schon bei der vorhergehenden Box kommen auch von der hier vorliegenden zweiten Box mit deren drei DVDs, wiederum acht Folgen der Reihe zur Veröffentlichung. Die dieses Mal von den DVDs zu sehenden acht Folgen erlebten ihre Erstsaustrahlung vom Dezember 1972 bis in den August 1973.
Die nächsten Boxen stehen sozusagen bereits in den Startlöchern und so sollen allein im laufenden Kalenderjahr 2012 im Fazit ganze acht Boxen der Reihe zur Veröffentlichung und in den Handel kommen. Insgesamt werden es dann irgendwann einmal neunzehn DVD-Boxen, mit zu Zeiten der existierenden DDR produzierten Folgen der Reihe sein, die zudem als nettes Goodie nebeneinander aufgestellt, den Schriftzug "Polizeiruf 110" nebst einer Rundumleuchte zeigen werden.
Wohl kaum einer hätte, als am 27. Juni 1971 mit der Folge "Der Fall der Lisa Murnau" der allererste Fall der neuen Reihe seine Erstausstrahlung erlebte geahnt, dass dies der Anbeginn und Start einer inzwischen über vierzig Jahre andauernden Erfolgsgeschichte sein würde. Eigentlich geplant und vonseiten der DDR als Gegenstück zum kurz zuvor gestarteten westdeutschen "Tatort" angedacht, entwickelte sich der "Polizeiruf 110" alsbald zu einem wahrhaften Straßenfeger.
Dabei war der Erfolg der Reihe, welche oft auch als Nachfolger der von 1959 bis 1968 im DDR-Fernsehen zuvor gezeigten Reihe "Blaulicht" gilt, derart groß, dass im Laufe der Zeit viele der Folgen nicht nur in beinahe allen sozialistischen "Bruderländern", sondern so zb. auch in Schweden, Dänemark, der BRD und anderen Staaten gezeigt wurden und auch dort reichlich Zuspruch fanden.
Dabei unterscheiden sich die Filme des "Polizeiruf 110" gegenüber der Reihe "Blaulicht" gewaltig. Beruhten die Inhalte der gezeigten Blaulicht-Folgen zu großen Teilen auf tatsächlichen Akten und Kriminalfällen, sah sich der "Polizeiruf 110" in den von wechselnden Autoren aufgeschriebenen Geschichten eher in der Aufgabe des sachlich kritischen Ausleuchters und Analytikers der aufgezeigten Kriminalfälle. Im Ergebnis entstand und entwickelte sich so ein eben ganz eigener und dabei unverwechselbarer Stil in der Machart und Umsetzung innerhalb der Reihe "Polizeiruf 110". Bis zum Ende des Fernsehens der DDR im Jahr 1991 entstanden so mehr als 150 abgedrehte Folgen.
Auch wenn die Macher des "Polizeiruf 110" zu Zeiten der DDR unter ständiger Beobachtung und Kontrolle von Anbeginn bis zur Abnahme der fertigen Produktion durch staatliche Institutionen standen, wurden dennoch auch gesellschaftlich sich kritisch mit dem System auseinandersetzende Themen behandelt. Gerade auch diese für DDR-Verhältnise relativ offene Art des Umgangs mit sonst in der Öffentlichkeit oft tabuisierten Themen wie zb. Alkoholmissbrauch, Gewaltverbrechen oder sexueller Missbrauch, sorgten mit deren Authentizität für eine hohe Akzeptanz und Beliebtheit der Reihe bei deren Zuschauern.
Einen weiteren und nicht unerheblichen Teil am Erfolg der Reihe machte auch die Besetzung mit erstklassigen Darstellern innerhalb aller entstandenen Folgen aus. In den von der hier vorliegenden zweiten Box zu erlebenden acht Folgen hat sich inzwischen ein festes Ermittlerteam bestehend aus "Oberleutnant Fuchs" (Peter Borgelt 1927-1994) und Oberleutnant "Jürgen Hübner" (Jürgen Frohriep 1928-1993) sowie Sigrid Göhler als "Leutnant Vera Arndt" und Kriminalassistent "Lutz Subras" (Alfred Rücker) gefunden. Bedingt durch andere Verpflichtungen der Darsteller bei Film und Theater, ist die Besetzung der Ermittler diesen Umstand angepasst und nicht in allen Folgen gleich.
Interessant ist dabei, dass es den Autoren der Reihe und schlussendlich auch den Darstellern der einzelnen Charaktere der Rollen der Ermittler gelungen ist, diese höchst unterschiedlich aufzuzeigen. So glänzt der Oberleutnant und spätere "Hauptmann Fuchs", der oft auch als der "Maigret des Ostens" bezeichnet wurde, als der gesetzte Herr mit väterlicher Ausstrahlung und honoriger Art. Oberleutnant "Jürgen Hübner" ist der klare Analytiker und moderne Kriminalist mit Hochschulabschluss.
Als einzige Frau im Team zeigt sich "Leutnant Vera Arndt" einfühlend und mit weiblicher Intuition ausgestattet, was sich auf die Ermittlungsarbeit oft sehr positiv auswirkt. Kriminalassistent "Lutz Subras" ist allein schon wegen seines noch jungen Alters der Benjamin der Truppe. Hin und wieder wird "Lutz", wegen seiner bisweilen etwas voreiligen Schlüsse oder der sich nicht die notwendige Zeit nehmenden Ermittlungsarbeit, von "Fuchs" mit der Strenge des Erfahrenen in seiner Aufgabe als Vorgesetzter angemahnt.
Neben den bereits erwähnten und fest in die Reihe integrierten Darstellern, gibt es zudem in jeder der Folgen Gastauftritte anderer zur damaligen Zeit und zum Teil noch bis heute sehr bekannter und beliebter Schauspieler des damaligen DDR-Fernsehens zu erleben. Einige der Namen der in den Folgen von dieser zweiten Box zu erlebenden Mimen wären die von Fred Delmare, Helga Hahnemann, Erik S. Klein, Jürgen Zartmann, Dagmar Frederic, Günther Naumann oder auch Rolf Ludwig, um hier wirklich nur einige wenige zu nennen.
Insgesamt acht Folgen kommen von den drei DVDs dieser zweiten Box der Reihe, verpackt in einem zweifach klappbaren Digipack zur Veröffentlichung. Die dabei in Klarsichteinlegern einzeln lagernden und entnehmbaren DVDs finden zusammen mit dem Digipack, zur sicheren wie auch repräsentativen Aufbewahrung, ihren Platz in einem in Hochglanzoptik gestalteten Pappschuber.
Die auf den drei DVDs der Veröffentlichung befindlichen Folgen finden sich in der chronologisch exakten Reihenfolge ihrer Erstausstrahlung abgelegt.
Im einzelnen wären dies folgende Beiträge;
1. Das Ende einer Mondscheinfahrt (Buch U.Waldner, Regie Hubert Hoelzke)
2. In derselben Nacht (Buch und Regie Hans-Joachim Hildebrandt)
3. Siegquote 180 (Buch Walter Dorn, Regie Wolfgang Luderer)
4. Gesichter im Zwielicht (Buch M.Mosblech und F. Unger, Regie M.Mosblech)
5. Alarm am See (Buch Gerhard Bransnter, Regie J. Bednarczyk & J. Laskowski)
6. Freitag gegen Mitternacht (Buch Heiner Rank, Regie Werner Röwekamp)
7. Vorbestraft (Buch Rudolf Böhm, Regie Heinz Seibert)
8. Der Ring mit dem blauen Saphir (Buch Dorothea Kleine, Regie N. Büchner)
Dafür, dass sich nach dem Einlegen der DVDs in den Player mit einer Texttafel für Einschränkungen in der zu erlebenden Bild- und Tonqualität, aufgrund des verfügbaren Ausgangsmaterials entschuldigt wird, bin ich dann doch recht zufrieden, mit dem was dann zur Ansicht kommt. Natürlich lassen sich die inzwischen um die vierzig vergangenen Jahre seit dem Entstehen der Aufnahmen nicht ganz übersehen. Die laut Cover mit einer Gesamtlaufzeit von in etwa 540 Minuten und im Bildformat Video Aspect 4:3 gezeigten Folgen bieten eine akzeptable und zum Teil schon geradezu verblüffend gute Qualität.
Mit und von dieser zweiten Box gibt es mit den Folgentiteln "Gesichter im Zwielicht" und "Der Ring mit dem blauen Saphir" die beiden ersten in Farbe abgedrehten Folgen der Reihe zu sehen. Die restlichen sechs Folgen kommen noch im klassischen Schwarz-weiß, welches in sich mit zumeist recht guten Abstufungen und Grautönen überzeugt, daher. Die Schärfe und auch der Kontrast zeigen sich von den DVDs, bis auf einige wenige Ausnahmen, recht gut getroffen. Hin und wieder zu bemerkende kleinere Fehler, so zb. in der Totalen oder auch kleinere und kaum auffällige Bewegungsunschärfen, sind nicht wirklich störend und der damaligen Aufnahmetechnik zuzusprechen. Verschmutzungen wie auch mechanische Beschädigungen am betagten Filmmaterial fallen in dem von den DVDs zu erlebenden Bild relativ wenig auf.
Die DVD-Menüs zeigen sich in der Art und Aufmachung passend im Stil bereits vorhergehender Veröffentlichungen innerhalb der Reihe des "DDR TV-Archiv" gestaltet. Versehen mit einigen animierten Szenenausschnitten und der im Hintergrund zu hörenden Titelmusik der Reihe, sind sie übersichtlich und einfach bedienbar gehalten. Dargestellt in Textform, können aus dem sich nach Einlegen der DVD in den Player öffnenden Hauptmenü heraus, die jeweils zwei bzw. drei auf den DVDs befindlichen Folgen zur unmittelbaren Wiedergabe gestartet werden. Einige in den einzelnen Folgen gesetzte Marker ermöglichen eine optionale Anwahl und Kapitelsprünge.
Ein 12-seitiges bebildertes Booklet mit Informationen zur Bedeutung des "Krimi im DDR-Fernsehen" wie auch zum "Polizeiruf 110" und deren "Einsatzgruppe Fuchs", finden sich als erstes Extras bei der hier vorliegenden zweiten Box der Reihe. Von der dritten DVD kommt ein speziell für diese Veröffentlichung erstellter und ca. 38 Minuten laufender filmischer Beitrag zur Ansicht. In diesem berichtet der Schauspieler Stefan Lisewski (zu sehen als Kapitän "Hasse" in der Folge "Das Ende einer Mondscheinfahrt"), sehr interessant über die damaligen Dreharbeiten, wie auch die Reihe "Polizeiruf 110" selbst.
Tonbewertung:
Der deutsche Ton bei dieser Veröffentlichung kommt im Format Dolby digital 2.0 zu Gehör. In der Beurteilung und Wertung seiner Qualität muss man fairerweise denn Tatsachen der technischen Möglichkeiten und Gegebenheiten der vor vierzig Jahren entstandenen Tonaufnahmen Rechnung tragen.
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