>>Willkommen in Hamburg....eine schöne Stadt....eine große Stadt....eine schöne, große Stadt....<< Mit diesem subtilen Wortspiel beginnt die markante Erzählstimme aus dem Off den einleitenden Text zum wohl bekanntesten Film-Klassiker über das weltberühmte Polizeirevier 15, inmitten Hamburgs berüchtigtem Rotlicht-Viertel St. Pauli. Es ist nicht zuletzt jener verbale Charme, der einen so faszinierenden Reiz ausübt an dieser liebenswerten Schwarzweiß-Produktion des Jahres 1964. Denn nicht nur der Einleitungstext ist gespickt mit dezenten Andeutungen und manch bissiger Ironie, auch die Dialoge der Handlung geizen nicht damit. Und der vermeintlich kühle Humor der Hanseaten schießt seine Salven ansatzlos aus der Hüfte ab. Ein köstliches Vergnügen.
Von einer angeblichen Low-Budget-Produktion spürt der Zuschauer jedenfalls nicht das Geringste. Auch wenn es eine ganze Weile dauerte, bis Jürgen Roland seine Idee verwirklichen konnte, mit der ATLAS-Film ist dann ein Werk entstanden, welches Meilensteine setzte für spätere Produktionen. Mit dem genialen Drehbuch von Wolfgang Menge zeichnet Roland eine authentische Milieu-Studie vor der zeitgenössischen Kulisse Hamburgs und integriert darin scheinbar nebenbei noch eine spannende Kriminalgeschichte, die ebenfalls der Realität entliehen wurde. Ein perfekter Mix für anspruchsvolles Sehvergnügen. Und natürlich ein ganz besonderes Stück Zeitgeschichte, an der gewiß nicht nur die zahlreichen Nostalgiker ihren Gefallen finden.
Für Kenner und Freunde des deutschen Films hält POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE sogar noch eine ganz spezielle Rarität bereit: Es ist die einzige Produktion, in der jemals alle drei Neutze Brüder gemeinsam auftraten. Daher sei kurz in Erinnerung gerufen, daß der unvergessene und leider schon sehr früh verstorbene Schauspieler Hanns Lothar (Neutze) der jüngste Bruder von Günther und Horst-Michael Neutze war.
Erschienen ist der Klassiker in der FILMPALAST-Reihe der e-m-s, die mit ihren bisherigen Veröffentlichungen stets bewiesen hat, daß Qualität und interessantes Bonusmaterial keine Frage eines hohen Kaufpreises sein muß. So ist auch hier die Bild- und Tonqualität für das Alter des Materials in sehr gutem Zustand. Im beigefügten Nachdruck des damaligen ATLAS FILMHEFT 41 (kostete seinerzeit 50 Pfennig) ist sogar ein KLEINES LEXIKON DER GANOVENSPRACHE enthalten. Wer also den (Hamburger) Unterwelt-Jargon der frühen 1960er Jahre gerne einmal nachlesen möchte, hat hier nun schmunzelnd die Gelegenheit dazu.
Fazit: Ein Juwel der Film-Geschichte auf erstklassiger DVD.