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Die Demokratie im Fokus
Ein Handbuch zur politischen Kommunikation
Der politischen Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft widmet sich ein knapp 800seitiges Handbuch. Otfried Jarren, Ulrich Sarcinelli und Ulrich Saxer als Herausgeber sammeln darin über sechzig Beiträge zum Thema und schaffen damit eine interdisziplinär und gesamtheitlich angelegte Übersicht.
Dieses Werk stellt eine Gemeinschaftsleistung dar, wie es denn auch im Vorwort heisst; 61 Autoren haben Beiträge verfasst. Dass dabei Politikwissenschafter und Soziologen in der Mehrzahl sind, kann nicht überraschen. Die Herausgeber, welche selber wesentliche Artikel beisteuern, sind anerkannte Fachleute der Materie: Otfried Jarren (geb. 1953) ist seit kurzem Ordinarius für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich, wo er den Lehrstuhl von Ulrich Saxer übernahm. 1989 bis 1997 war er Professor für Journalistik an der Universität Hamburg, seit 1995 auch Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung an der Universität Hamburg, eine Funktion, die er immer noch innehat. Der 1931 geborene Ulrich Saxer war von 1975 bis 1996 Professor für Publizistik und Leiter des Seminars für Publizistikwissenschaft der Universität Zürich; seit 1997 ist er Honorarprofessor an der Universität Wien und Ordinarius für Soziologie der Kommunikation an der neu geschaffenen Universität der italienischen Schweiz in Lugano. Ulrich Sarcinelli (geb. 1946) ist seit 1995 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau.
Das Werk gliedert sich in drei Kapitel und einen lexikalischen Teil. Letzterer verdient besondere Erwähnung: In sehr knapper Form werden da komplexe Begriffe erläutert das wird nicht immer jedem Spezialisten eines Teilgebietes behagen. Doch erleichtert gerade dieser Teil dem Laien den Zugang zum Thema, der sonst nicht in allen Beiträgen des Buches gesichert wäre. Querverweise verdichten die Informationen und helfen mit, dass der unhandliche Band zum Handbuch wird, zum Nachschlagewerk für Laien und Spezialisten.
In einer Einführung wird das «Forschungs- und politische Handlungsfeld» politischer Kommunikation abgesteckt, der Ideengeschichte nachgegangen und das Wesen der «öffentlichen Meinung» umschrieben. Ein zweiter Teil befasst sich mit theoretischen Grundlagen und Ansätzen der einzelnen Disziplinen: mit politikwissenschaftlichen, kommunikationswissenschaftlichen, soziologischen, rechtswissenschaftlichen, wirtschaftswissenschaftlichen, sprachwissenschaftlichen, kommunikationspsychologischen und pädagogischen Perspektiven. Der dritte Teil ist Politik- und Kommunikationssystemen gewidmet, wobei auch auf Akteure und Institutionen sowie verschiedene Handlungsfelder politischer Kommunikation eingetreten wird. Diese Strukturierung des Sachgebiets dürfte ihre Kritiker finden; doch das würde jeder andere Zugang wohl auch. Die Gliederung eines so immensen Sachgebiets verlangt den Mut zur Unvollständigkeit.
Beim Durcharbeiten des Werks fragt man sich verschiedentlich, für welches Zielpublikum die gewaltige Arbeit geleistet wurde sicher nicht allein für den Politik- und Kommunikationswissenschafter, obwohl es dessen Anspruch auf fachliche Kompetenz sicher gerecht wird. Zu befürchten ist, dass der Band manchen Praktiker der Politik angesichts seiner Komplexität überfordert; aber gerade ihm könnte es bei der Erweiterung des Wissens um das eigene Tun hilfreich sein. Für die im politischen Kommunikationsprozess stehenden Praktiker Journalisten und Medienleute, Medienpädagogen und Fachleute von PR und Werbung gehört es zur Standardausrüstung; und zwar nicht zur einmaligen Lektüre, sondern zum ständigen Gebrauch.
Als Praktiker wünschte man sich die schweizerischen Belange vertiefter dargestellt, was jedoch den Rahmen für ein aufs gesamte deutsche Sprachgebiet ausgerichtetes Werk gesprengt hätte. Die Gratwanderung zwischen den Ansprüchen auf wissenschaftliche Genauigkeit und auf allgemeine Verständlichkeit wird in den einzelnen Beiträgen unterschiedlich gut gemeistert; manchmal greift man zumindest der Laie bei der Lektüre des Handbuchs auch noch zu Lexika und Duden. Offensichtlich wird bei der Lektüre das Bestreben der Herausgeber, sich auf die Analyse zu beschränken und Wertungen zu vermeiden. Man mag beanstanden, dass dabei die momentane Bestandesaufnahme zu kurz komme; doch für eine solche hätte der Platz gefehlt.
Eine entscheidende Qualität des Werkes besteht darin, dass es prozessuales Denken fordert und fördert. Dass die Vorgänge der politischen Kommunikation laufend analysiert und verstanden werden, ist eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren der Demokratie. Dieses Werk leistet dazu einen wertvollen Beitrag. Man wünscht sich deshalb, dass es den Herausgebern und dem Verlag gelingen möge, das Handbuch zu einer Institution werden zu lassen. Es soll überdies periodisch überarbeitet und ergänzt werden eine anspruchsvolle Aufgabe, die aber angesichts der Dynamik des Kommunikationssektors wohl unumgänglich ist.
Hans Ulmer
Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikon. Hrsg. von Otfried Jarren, Ulrich Sarcinelli und Ulrich Saxer. Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden, 1998. 764 S., ISBN 3-531-12678-4.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unverzichtbar,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikonteil (Gebundene Ausgabe)
Spätestens seit dem Wahlkampf 1998 ist auch hierzulande die Debatte über die Formen der politischen Kommunikation unter dem Stichwort „Mediendemokratie" wieder aufgelebt. Grund genug für die wichtigsten Autoren dieses Forschungsthemas, den Stand der Forschung in diesem Handbuch zusammenzufassen. Der Ansatz ist dabei sehr weitgreifend, in nicht weniger als 54 Kapiteln werden alle Grundbegriffe der Disziplin und alle denkbaren Blickwinkel auf die Problemstellung systematisch abgearbeitet. Abgerundet wird das alles dann noch durch einen Lexikonteil von gut einhundert Seiten. Das Buch wird seinem Anspruch im Ganzen sehr gut gerecht: Sowohl als Lehrbuch, das man von vorne bis hinten durcharbeitet, wie auch als Referenz und eben als Lexikon ist es sehr aktuell und beantwortet fast alle Fragen - oder bietet mindestens einen präzisen Einstieg und Hinweise für die weitere Lektüre. Die Autoren sind durchweg die Koryphäen der deutschen Forschung in Sachen politische Kommunikation. Wer sich also mit der Rolle der Medien im politischen Prozeß beschäftigen will, dem ist hier sehr gut gedient. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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