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Politik der Verantwortung: Der Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975 Gebundene Ausgabe – 12. November 2008

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Im medialen Stimmengewirr der unzähligen Lobeshymnen, die den 90. Geburtstag von Altkanzler Helmut Schmidt im Dezember 2008 begleitetet haben, ist bedauerlicherweise ein Buch beinahe völlig untergegangen, das allerhöchste Aufmerksamkeit verdient hätte. Unter dem unscheinbaren Titel Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt – den Untertitel Der Primat des Politischen über das Militärische sucht man auf dem Umschlag vergeblich – beleuchtet es eine haarsträubende Episode der deutschen Nachkriegsgeschichte, die noch 40 Jahre danach zu den bestgehüteten Staatsgeheimnissen zählt. Was der Münchner Historiker Detlef Bald auf über 250 Seiten darlegt, mutet wie ein fiktiver Politthriller an, wäre da nicht das Geleitwort des Altkanzlers, der den Inhalt sanktioniert.

Das Buch führt zurück in die Hochzeiten des Kalten Kriegs, dessen Frontlinie quer durch Deutschland verlief. Dass sich sämtliche Unionskanzler seit Konrad Adenauer aus Dankbarkeit für Wiederbewaffnung und NATO-Integration als bündnispolitische Musterknaben gerierten, ist hinlänglich bekannt. Was jedoch bis auf den heutigen Tag erfolgreich zum Hirngespinst ideologisch fehlgeleiteter Pazifisten stilisiert worden ist, entpuppt sich nun offenbar doch als Wahrheit: das Gerücht nämlich, dass die Bundeswehr ab Mitte der Sechzigerjahre über eigene Nuklearwaffen verfügt habe. Als „Atom-Minen“ verharmlost, war diese „Atomic Demolition Munition“ (ADM), von denen jede einzelne die dreifache Sprengkraft der Hiroshimabombe besaß, entlang der Grenzen zur DDR und CSSR vergraben worden, um sie im Falle eines tatsächlichen – und wohl auch erwarteten – Angriffs aus dem Osten zu zünden. Schlimmer noch: Die Unionskanzler Adenauer, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger hatten die Verfügungsgewalt über diese Massenvernichtungswaffen ganz in die Hände der Militärs gelegt, die damit im Ernstfall im Alleingang über den nuklearen Erstschlag hätten entscheiden können.

Detlef Bald weist nach, dass Rüstungspraxis und Verteidigungsdoktrin seinerzeit auf eine nukleare „totale Kriegführung“ auf dem „Gefechtsfeld Europa“ und insbesondere Deutschland angelegt waren. Ferner enthüllt er den jahrelangen Machtkampf, ausgefochten vom ersten sozialdemokratischen Verteidigungsminister Helmut Schmidt hinter den Bonner Kulissen, um den Militärs die Zügel wieder aus der Hand zu nehmen. Ein politisches Lehrstück allererster Güte. Arnold Abstreiter

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Detlef Bald, geb. 1941, lebt seit 1996 als freischaffender Historiker und Publizist in München. Autor vieler militär- und zeitgeschichtlicher sowie friedenspolitischer Studien. Weitere Veröffentlichungen u. a.: "Die Bundeswehr: eine kritische Geschichte. 1955-2005", "Die "Weiße Rose": von der Front in den Widerstand (AtV 2004)".


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Format: Gebundene Ausgabe
Mein Urteil gleich vorneweg: Dieses inhaltlich sehr dichte, vorzügliche Buch ist stilistisch prägnant formuliert sowie historiographisch fundiert. Der Rezensent empfiehlt es uneingeschränkt der Lektüre aller mündigen Staatsbürger, die hinter die Kulissen der Macht blicken wollen.

Es war das best gehütete Geheimnis der Bundeswehr; denn seit 1965 wurde eine >deutsche< Atomdoktrin entwickelt und in der NATO - während der Wirren, als sich Frankreich aus dem Bündnis zurückzog - auch durchgesetzt. Das Militär liebt bekannt Abkürzungen: die ADMs (= atomic demolition munition) waren mobile Sprengkörper, die in Geländewagen, Hubschraubern und auch von Soldaten transportiert werden konnten. Diese ADMs waren in Lagern nahe der >Zonengrenze< von Lauenburg bis Regensburg stationiert, damit sich innerhalb von wenigen Stunden zu Hunderten gezündet werden konnten. Der damalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger hatte mit US-Präsident Lyndon B. Johnson vereinbart, den Generalen diese nukleare Option zu genehmigen.

Als Helmut Schmidt im Herbst 1969 Chef auf der Hardthöhe wurde, briefte man ihn auch über dieses streng geheime Szenario. Schmidts Sinn für das politische Machbare war sprichwörtlich; er überzeugte seinen US-amerikanischen Kollegen Melvin Laird, diese Atombombenlager aufzulösen und ins Hinterland nahe Frankfurt und Stuttgart zu verlegen. Danach entwickelte sich in der Nuklearen Planungsgruppe der NATO eine verschlungene Geschichte, den Primat des Militärischen aufzukündigen und stattdessen den politischen Konsultationen Priorität vor den militärischen Abläufen einzuräumen.
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Format: Gebundene Ausgabe
Da ich bereits mehrere Bücher von und über Helmut Schmidt gelesen hatte dachte ich, ich wüsste, was dieser Mann für Deutschland geleistet hat. Weit gefehlt! Seine größte Leistung ist weithin unbekannt: In den Sechzigern wollten die Militärs einen Atomwaffengürtel entlang der deutsch-deutschen Grenze legen und nur das besonnene Handeln von Helmut Schmidt hat uns vor dieser Gefahr bewahrt. Jeder politshc interessierte Mensch sollte dieses Nuch gelesen haben.
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Format: Gebundene Ausgabe
Trotz der dargelegten Fakten, die an politischer Brisanz ihres Gleichen suchen, und der zu Grunde liegenden Recherche gelingt es anderen Büchern, sich in diese Lektüre hineinzudrängen und Aufmerksamkeit abzuziehen. Es bleibt ein wenig schlechtes Gewissen und die Absicht, in Kürze "unbedingt" weiterzulesen.
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