Robert Hughes ist einer der wichtigsten Kunstkritiker Amerikas, und seit den achtziger Jahren auch ein erfolgreicher Schriftsteller. In diesem, 1993 erschienenen Buch, beschäftigt er sich mit dem Begriff „Political correctness“ (kurz PC), oder wie er es nennt: „Die Kunst, sich selbst das Denken zu verbieten“. Da der gebürtige Australier seit 1970 in New York lebt, bezieht er sich dabei in erster Linie auf Beispiele aus den USA, und gelegentlich auf solche aus Australien. Letztendlich ist das Geschriebene, mit einigen kleineren Abstrichen, aber auch ohne weiteres auf Europa anwendbar. Dem Buch liegen Vorträge zum Thema zugrunde, die Hughes 1992 gehalten hat.
Gegliedert ist das etwa 270 Seiten starke Buch in drei Abschnitte: Der erste Teil, „Kultur im zersplitterten Staat“, bezieht sich auf die Moral- und Wertvorstellungen in der heutigen amerikanischen Kultur. Er gibt Beispiele zum öffentlichen Umgang mit Themen wie Sexualität, Rassismus, oder Problemen mit Minderheiten.
Im zweiten Teil, „Multikulti und die Miesmacher“, geht er speziell auf den Begriff der Multikulturellen Gesellschaft ein, beziehungsweise darauf, warum dieser Begriff, aufgrund der übertriebenen politischen Korrektheit, inzwischen seine Bedeutung fast komplett verloren hat.
Der dritte Teil, „Moral an sich: Die Kunst als Therapie“ behandelt dann das Thema der zunehmenden Politisierung der Kunst in den USA.
Beim Verfassen dieses Buches ist es Robert Hughes gelungen, ungezwungen und offen über alle noch so heiklen Themen zu schreiben, ohne sich selbst damit ins Abseits zu befördern. Wenn man als Autor darüber schreibt, dass die heutige Gesellschaft bei Themen wie Rassismus, oder Diskriminierung jeglicher Art, zu übertrieben politisch korrekt ist riskiert man, dass man am Ende selbst als Gegner der angesprochenen Menschengruppe dasteht. Hughes gelingt es sehr gut, diese Problematik zu meistern. Er lässt sich auf keine politische Richtung festnageln, sondern teilt sowohl nach Links, wie auch nach Rechts aus. Er untermauert jede gemachte Aussage mit Zitaten oder Auszügen aus Texten anerkannter Persönlichkeiten beider, in einem Punkt zerstrittenen, Seiten. Dadurch steht er im Verlauf des Buches eher als wertender Beobachter da, und nicht als Streiter für die eine oder andere Seite.
Negativ ist anzumerken, dass Hughes zum Ende des Buches hin etwas zu sehr abschweift. Gerade im Teil über die PC in der Kunst, geht an manchen Stellen der Bezug zum Ausgangsthema, politische Korrektheit, etwas verloren. Es ist zwar auch in diesem Teil immer möglich, dem Geschriebenen zu Folgen, es ist nur nicht immer ganz klar, worauf er hinaus will.
Davon abgesehen, ließt sich das Buch sehr schnell und flüssig, und ohne, dass Langeweile aufkommt.