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Polen zwischen Ost und West: Polnische Essays des 20. Jahrhunderts. Eine Anthologie
 
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Polen zwischen Ost und West: Polnische Essays des 20. Jahrhunderts. Eine Anthologie [Gebundene Ausgabe]

Karl Dedecius , Marek Klecel , Ulrike Bischoff , Friedrich Griese , Martina Hassenstein , Ursula Kiermeier , Winfried Lipscher , Renate Schmidgall , Klaus Staemmler , Karin L. Wolff

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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert faßt gleichsam im Zeitraffertempo seine gesamte historische Entwicklung zusammen. Fast jede Generation der jüngsten Zeit erlebte die Bitterkeit des Niedergangs und die Hoffnung der Wiedergeburt ihres Vaterlandes, und so mußten die Erfahrungen, aber auch die Verhaltens- und Entscheidungsmuster einander mit historischer Notwendigkeit in einem geradezu mythologischen Ausmaß ähneln. Der Kreis dieser Erfahrungen umfaßte den offenen oder verdeckten bewaffneten Kampf, den Widerstand, die Konspiration, die Verbannung oder Vertreibung, die Emigration, aber auch, gerade inmitten der Zerstörung und des Niedergangs, die unbesiegbare Hoffnung auf Befreiung und Wiedergeburt, die Anstrengung des Wiederaufbaus und der Arbeit von Grund auf. Innerhalb ein und derselben Generation stoßen diese Einstellungen und Werte zusammen, und so kommt es zum Konflikt zwischen der romantischen Mythologie des Opfers und des Kampfes gegen das Böse einerseits und dem positivistischen Projekt der Selbstorganisation des Neuaufbaus der Gemeinschaft andererseits. Wie in der polnischen Literatur allgemein, so reflektiert sich auch im Essay die wechselvolle politische, soziale und kulturelle Geschichte Polens. Aus ihr erwächst seine inhaltliche wie formale Besonderheit. Allgemeiner findet im polnischen Essay, bewußter und unmittelbarer als in anderen Bereichen der Literatur, ein vermittelnder Dialog zwischen Wertvorstellungen des Ostens und des Westens statt. Formal zeichnet er sich durch den Rückgriff auf mündliche Traditionen aus, Plaudereien, Erinnerungen, Erzählungen, sowie durch eine stärkere subjektive Perspektive. Inhaltlich lassen sich grob drei Richtungen ausmachen: War die erste eine kritische Abrechnung mit der Vergangenheit und dem kollektiven Mythos im Namen einer umfassenden sozialen, kulturellen und geistigen Modernisierung, so erwies sich die zweite eher als ein Suchen nach Identität in der Verwurzelung, in der Stetigkeit der Tradition. Die dritte Richtung schließlich gibt Zeugnis ab von der allgemeinen Katastrophe, von einer äußersten, fast eschatologischen Grenzerfahrung: der Vertreibung und Ausrottung.

Über den Autor

Karl Dedecius, 1921 in Lodz geboren, gilt als bedeutendster Mittler polnischer Literatur und Kultur in Deutschland. Als Übersetzer Hunderter Bücher, Autor zahlloser Reden und Aufsätze, Herausgeber der ›Polnischen Bibliothek‹, Gründer des Deutschen Poleninstituts in Darmstadt wurde er vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1990 und dem Orden des Weißen Adlers 1999 in Polen. Er lebt in Frankfurt am Main.

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