Schon länger zählt Polen weltweit zu den von Touristen begehrtesten Ländern. Da es Nachbar von Deutschland ist, sind es naturgemäß viele Deutsche, die dort ihren Urlaub verbringen. Manche, die nie dort waren, vermuten, dass dies nur mit den niedrigen Preisen zusammenhängen könne. Diejenigen, die die Masurische Seenplatte, die Hohe Tatra, Breslau oder Krakau aus eigener Anschauung kennen, wissen es besser: Polen ist voller Naturschönheiten, reich an Kultur und ein Land, das von freundlichen Menschen bewohnt wird.
Wer sich nicht einfach auf diese - zugegeben oberflächliche - Behauptung verlassen möchte, sollte das Buch von Brigitte Jäger-Dabek zur Informationsbeschaffung hinzuziehen. Die Überschrift des Einleitungskapitels trägt noch dem Wissensstand der meisten Deutschen Rechnung: „Unbekannter Nachbar Polen". Danach bietet die Autorin aber alles auf, um sich mit diesem Nachbarn bekannt machen zu können. Wie wichtig gerade für Polen Geschichte und Kultur sind, ist in zwei prägnanten Kapiteln nachzulesen: Lange war die Nation unterdrückt und hatte kein eigenes Staatsgebiet. Doch gerade von Polen ging durch die Gewerkschaftsbewegung der Solidarität einer der wichtigsten Impulse aus, um den Eisernen Vorhang niederzureißen. Der Leser erhält Einblicke in die Literatur-, Musik- und Kunstszenen, von denen hierzulande oft nur die drei Leuchttürme Chopin, Polanski und Penderecki bekannt sind.
Die Stärke des Buchs liegt in dem Teil, der sich auf die „Nachbarschaftskunde für Deutsche" konzentriert: Wie war das doch gleich mit der Freundschaft zwischen Polen und der DDR? Warum hat sich die polnische Bezeichnung für Deutsche von „Szwaby" zu „Helmuty" gewandelt? Und warum ist der Autos stehlende Pole so fest im Vorurteilsschatz der Deutschen verankert? Abgerundet werden die Betrachtungen mit einem Blick in den polnischen Alltag und in die Gegenwartsprobleme eines Landes, das sich ab Mai 2004 als Mitglied der Europäischen Union auf eine neue politische und wirtschaftliche Zukunft einlässt.
All das präsentiert Brigitte Jäger-Dabek nicht von oben herab, sondern in leicht lesbarer Form. Demjenigen, der nicht nur zum billigen Friseurbesuch über die Grenze hetzen und sich stattdessen ernsthaft mit Polen beschäftigen möchte, sei das Buch ans Herz gelegt.