Stern
Eine Band aus Dresden, die sich Polarkreis 18 nennt, hätten wir assoziativ mit Schul- und Straßenfesten, ostdeutscher Provinzialität, viel Wollen und wenig Können in Verbindung gebracht. Zur Strafe für so viel Voreingenommenheit hauen uns die fünf Musiker mit "Polarkreis 18" (Motor Music) - peng! - ein englischsprachiges Popalbum mit wunderbaren Keyboard-, Gitarren- und Streicherarrangements an den Kopf, das aufregend nach großer, weiter Welt klingt. Was für ein Debüt!
--Tobias Schmitz
Die allerorten gezogenen Vergleiche mit Sigur R-s könnten sie bald nerven. Doch es gibt viele musikalische Parallelen: Sänger Felix setzt seine falsettlastigen Intonationen oft wie ein Instrument ein, brachiale Gitarren folgen auf verspielte Elektronik, die Streicher kommen eben nicht aus der Konserve, und der Drummer orientiert sich gern am Breakbeat. Doch bei aller Experimentierlust verzetteln sich die fünf jungen Dresdener nie im Abstrakten, immer behalten sie die Eingängigkeit ihrer bombastischen Popsongs im Auge. Ohrwürmer wie "Dreamdancer" oder "Somedays Sundays" lassen sich trotz aller Konstruiertheit nicht ohne weiteres als Kunstkacke abtun. Sollten sich Polarkreis 18 durch die Sigur-R-s-Vergleiche dennoch eingeengt und missverstanden fühlen: Dahinter steht doch nur das Kompliment für das interessanteste und innovativste Debüt, das Deutschland in den letzten Jahren hervorgebracht hat. (cs)