Jawoll ja, solche Bands braucht die Szene !!! Das neue DECREPIT BIRTH-Album ist nicht nur eine der großartigsten Death Metal-Scheiben des laufenden Jahres, sondern zugleich auch ein riesiges Ausrufezeichen gegen die momentan anhaltende Deathcore-Welle, in der einen Songwriting-Dilettanten wie SUICIDE SILENCE oder BENEATH THE MASSACRE mit ihrem seelenlosen Grind-Gefrickel beinahe schon zu Tode nerven.
Das Prügel-Quartett aus Kalifornien hat auf seinem dritten Langeisen erneut einen gehörigen Sprung nach vorne gemacht und legt mit "Polarity" ihr bisheriges Meisterstück vor. Ganz ehrlich, hier gibt es wirklich alles, was eine saustarke, formvollendete Prog/Death-Scheibe haben sollte: Hundsgemeine Blast-Beat-Attacken in bester SUFFOCATION-Marschrichtung...jazzig-vertrackte Songwriting-Eskapaden mit starker CYNIC-Schlagseite...intelligent verpackte Klassik-Einschübe, wie man sie ansonsten nur von den deutschen Metzel-Giganten NECROPHAGIST serviert bekommt...und die aggressiv-melodische Gitarrenarbeit atmet dabei die magischen Momente der ganz großen Schuldiner-Schule. Dabei lassen sich DECREPIT BIRTH über die gesamte Spielzeit nicht die Butter vom Brot nehmen. Auf den 12 Songs wird härtetechnisch nämlich dermaßen Vollgas gegeben, dass selbst hüftsteife Langzeit-Rheumatiker zum 45minütigen Dauersprint ansetzen.
Amtliche Prog/Death-Geschosse wie "Metatron" , "Solar impulse" , "The quickening of time" , "Mirroring dimensions" oder der vor Erhabenheit strahlende Opener "Ignite the tesla coil" werden größtenteils in halsbrecherischer Geschwindigkeit runtergebolzt, wobei eine Vielzahl grandios-kniffliger Breaks und Tempowechsel gern für willkommende Abwechslung sorgen. In Punkto Melodieführung lassen DECREPIT BIRTH immer wieder ihr Können aufblitzen, so dass die musikalischen Vergleiche zu DEATH-Göttergaben wie "Human" und "Symbolic" einfach auf der Hand liegen. Dadurch bleiben die hoch anspruchsvollen Songstrukturen aber niemals abgehoben - sondern zu jeder Zeit nachvollziehbar. Passenderweise zaubert man mit der meisterlichen Coverversion von "See through dreams" einen eher untypischen DEATH-Song aufs Parkett - diese Band steht halt für Klasse !!!
Während das entbehrliche Grind/Synthie-Intermezzo "A brief odyssey in time" dem Hörer ziemlich viel Nervenstärke abverlangt, könnte der Abschluss mit dem göttlichen, vor musikalischem Input fast explodierenden Dreierpack ""Sea of memories" , "Symbiosis" und "Darkess embrace" (atmosphärisch top!) garnicht besser gewählt sein. Weltmeisterlich !!!
Fazit: DECREPIT BIRTH gehören zweifellos zu der Sorte Bands, die eine hochkomplexe Gehirn-Operation liebend gern mit dem Hackebeilchen durchführen. Eine zerstörerische Metzelorgie mit chirurgischer Präzision. "Polarity" ist ein Meisterstück des progressiven Death Metals, das fortan eigentlich in einem Atemzug mit Scheiben wie "Cosmogenesis" (OBSCURA) , "Eventually" (ALARUM) , "Epitaph" (NECROPHAGIST) , "Synergy" (EXTOL) oder den oben genannten DEATH-Glanztaten genannt werden müsste. Aber wahrscheinlich wird dieses Album niemals den hohen Stellenwert genießen, der ihm eigentlich zusteht. Für alle Death/Prog-Heads sind 5 Sterne aber ein Muss !!!