...jedenfalls meiner Meinung nach. Acht Jahre, nachdem Martin Cruz Smith seine Romanfigur Arkadi Renko erschuf und sie gegen den KGB und die gesamte sowjetische Führung aufstellte, gewährt der Autor seiner charismatischen Ermittlerfigur einen zweiten Auftritt. Und was für einen!
Nach seinen Ermittlungen im Gorki Park landete Renko im Exil. Jetzt kehrt er zurück, um gleich darauf suspendiert zu werden. Niemand in der Moskauer Polizeiführung will mit ihm zu tun haben. Renko wird in eine psychiatrische Klinik geschafft, um ihn ruhig zu stellen. Doch Renko flieht. Er schlägt sich nach Sibirien durch und hangelt sich von Job zu Job. 1989 landet er auf dem sowjetischen Fabrikschiff Polar Star. Das Schiff ist an einem sowjetisch/amerikanischen Joint Venture beteiligt. Amerikanische Schiffe liefern ihren Fang bei den Russen ab, diese verarbeiten ihn auf Hoher See. Eine Knochenarbeit. Renko macht sich als Arbeiter auf dem Schiff ebenso unbeliebt, wie bei den Kollegen in Moskau. Nur die Arbeiterin Natascha fasst Vertrauen zu ihm.
Als eine Frauenleiche aus dem Meer gehievt wird, kommt der Alltag auf dem Fabrikschiff ins Stocken. Der Schiffsarzt glaubt an einen natürlichen Tod, aber der Kapitän vermutet einen Mord. Das würde das Geschäft mit den Amerikanern allerdings gefährden. Als er heraus bekommt, dass Renko früher Ermittler war, setzt er ihn auf den Fall an. Renko macht sich an die Arbeit und es passiert genau das, was eigentlich jede Renko-Ermittlung auszeichnet: Arkadi bringt verborgene Zusammenhänge ans Licht und sein eigenes Leben in allerhöchste Gefahr...
Wie Martin Cruz Smith diesen Romanstoff zusammen gebastelt hat, dass ist aller Ehren wert. Er setzt gnadenlos auf den Charakter Renko, den er in Gorki Park so brillant geschliffen hat. Er versetzt uns fast ausschließlich auf den beengten Raum der Polar Star auf Hoher See und lässt die Verdächtigen dadurch nicht entkommen. Allerdings hat auch Renko keine Chance, unterzutauchen. Die Spannungsspirale bei Polar Star ist hervorragend konstruiert und Cruz Smith zieht Seite für Seite die Schrauben an. Da gibt es für den Leser keine Chance, das Buch aus den Händen zu legen. Wer bei Gorki Park begeistert war, der wird Polar Star lieben und mit wehenden Fahnen zur Arkadi-Renko-Lesergemeinde überwechseln. Versprochen!