Seit mehreren Monaten bin ich Besitzer einer Polar
FT80 und einigermaßen zufrieden mit den
Trainingsfunktionen. Die Uhr ist gut zu nutzen, auch
wenn die Anzeige schon ziemlich dunkel und die
Anleitung ziemlich knapp ist. Obwohl die zehnmal so
teure Polar-Uhr viele Funktionen nicht besitzt, die bei
einer einfachen Casio zu haben sind, ist nicht der
Umfang, sondern die Nutzbarkeit der Funktionen das
größte Problem.
Worüber sich jeder potenzielle Käufer im Klaren sein
muss, ist die fehlende Auswertbarkeit der
Trainingsdaten allein über den heimischen Rechner:
Die FT80 (ebenso wie die FT60) setzt zur Auswertung
zwingend voraus, dass ein Internetaccount bei
polarpersonaltrainer besteht, zu dem alle Daten über
die USB-Cradle hochgeladen werden. Wer glaubt, die
Daten auch mit der offiziellen Trainingsoftware von
Polar (dem nicht gerade billigen Polar Trainer Pro 5)
auswerten zu können, sieht sich bitter enttäuscht. Auch
Drittanbieter einer Software gibt es, soweit ich sehen
kann, nicht.
Manch einem mag es egal sein, seine Daten zu Polar
hochzuladen, doch sollte man sich bewusst sein,
welchen Umfang diese haben. Hierzu zählen ebenso
persönliche Daten (Alter, Gewicht, Geschlecht,
Trainingszustand), Körperdaten (die OwnZone und
EKG-genauen Herzfrequenzmessungen) und
Trainingsinformationen (Daten, Längen, Intensität,
Ruhephasen) wie die Daten der Sensoren (Laufdistanz,
Schrittfrequenz, GPS-Position, präzise Zeit). Insgesamt
liefern diese Informationen schon ein sehr genaues Bild
der Person, hinzu kommen die Anmeldeinformationen
bei der Registrierung wie etwa Name, eMail-Adresse
und Land. Warum Polar an diesen Daten interessiert
ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein: Im Zeitalter, in
dem Suchmaschinen sich über personalisierte Daten
refinanzieren, ist das Datenpaket, das die FT80/FT60
liefern, eine wertvolle Ressource.
Zudem sind die Nutzungsbedingungen einen Blick
wert: Polar sichert sich zu, dass das ihnen überspielte
Material NICHT vertraulich ist und dass keine
Beschränkungen bestehen, es zu reproduzieren, zu
veröffentlichen oder in anderer Weise zu nutzen. Von
Datenschutz nach deutschen Recht und in deutschem
Umfang ist auf der internationalen Seite also keine
Rede.
Zu diesem Problem des Schutzes persönlichster Daten
kommt, dass sich die FT80 nur unvollständig nutzen
lässt, wenn kein Internetaccount bei
polarpersonaltrainer.com zur Konfiguration besteht. So
lassen sich die einzelnen Übungen im Krafttraining-
Programm nur online anlegen und dann herunterladen
- ohne die Vorgabe von Übungen ist das Modul aber
recht sinnfrei.
Auch wenn die Uhr und der Sensor in der Praxis gut
funktionieren, lassen sich die Funktionen zur
Trainingsauswertung nicht nutzen, wenn man seine
Daten nicht Polar anvertrauen will. Bei dem hohen
Preis der Uhr eine Einschränkung, die kaum
hinnehmbar ist - zumal viele Anwender von
erheblichen Problemen berichten, die Software
überhaupt zum Laufen zu bekommen.
Nachtrag (Juni 2010): Mittlerweile gibt es eine PC-Software
von dem Programmierer Carlos Segura Sanz, die die Daten
der Polar FT80 auch rein lokal auslesen kann. Sein Programm
"Polar Show" ist kostenlos und kann von seiner Seite ideseg.com
heruntergeladen werden.
Nachtrag 2 (Mai 2011): Carlos Segura Sanz hat die
Entwicklung von "Polar Show" leider aufgegeben - er
hat eine Nicht-Polar-Uhr gekauft.