Aus der Amazon.de-Redaktion
Noch in der Schule entdeckt Pokorny, wie er sich selber helfen kann: als Sprücheklopfer. Mit Maulheldentum begräbt Pokorny junior sein Schicksal als ewig Unterlegener im Wettkampf mit Zacher und dem Rest der Welt. An der Uni, wo ihn nur die Frauen interessieren, legt er den Grundstein für eine Entertainer-Karriere. Zu Eitelkeit und Geld kommt schließlich auch eine spleenige Affäre mit Ellen, der Freundin Zachers. Bingo! Einmal ist er besser als dieser, einmal sticht er ihn aus und lässt es schließlich auch so aussehen, als sei Ellen von ihm, nicht von Zacher schwanger. Die Wahrheit nimmt sie bei einem Verkehrsunfall mit in den Tod.
Das liegt lange zurück. In seinem zweiten Roman nach Liegen lernen erzählt Frank Goosen über weite Strecken in der Rückschau vom Aufbau dieser brüchigen Männerfreundschaft. Von einem Komiker, der auf der Bühne vor allem wegen seiner Ernsthaftigkeit auffällt, und der jetzt, trotz Putzfrau und Fernsehauftritten, ein "frustrierter Enddreißiger" ist und sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert sieht. Denn Zacher meldet sich nach Jahren wieder und fordert Pokorny zu einer Aussprache über die Sache mit Ellen auf.
Goosen, selbst jahrelang als Kabarettist durch die Lande getingelt, erzählt straight, dialogsicher und kennt sich mit wirksamen Pointen aus. Pokorny lacht liest sich nett, tut keinem weh und hinterlässt einen leicht pappigen Nachgeschmack. Das liegt zum einen an der Plakativität, mit der er die heiklen Verhältnisse zwischen seinen Figuren liefert. Zum anderen an der Vielzahl der Nebenschauplätze, die alle symbolische Bedeutung für den Plot haben wollen. Und vielleicht auch einfach noch daran, dass Pokornys Geschichte nicht zum Lachen ist. --Nikolaus Stemmer
Amazon.de Hörbuch-Rezension
Nach seinem Debüterfolg Liegen lernen erzählt Frank Goosen nun zum zweiten Mal vom schwierigen Erwachsenwerden in den 80er-Jahren. Und gewährt einen aufschlussreichen Blick in die Abgründe der ganz normalen Männerseele. Pokorny lacht -- ansonsten geht es aber eher ernst zu in diesem Roman. Und es bleibt die Frage, ob Goosen bei seiner Vergangenheit als Komiker sich in den ernsten Gefilden als Autor wirklich wohl fühlt. Was er aber wirklich kann: seinen eigenen Text wunderbar zu Gehör bringen (was man nicht von vielen Autoren behaupten kann). Da macht sich seine langjährige Erfahrung als Mitglied des Comedy-Duos Tresenlesen bezahlt. Dieser Stimme und ihrem Hang zum Ruhrpotthaft-Schnoddrigen hört man gerne über vier Stunden lang zu. --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 256 Minuten, 4 CDs, vom Autor gelesen und gekürzt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
Kurzbeschreibung
Klappentext
Der Spiegel
»Der neue Roman von Frank Goosen überzeugt.«
Brigitte
»Goosen toppt sogar seinen Erstlingserfolg.«
Gala
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
.
Über den Autor
Auszug aus Pokorny lacht. Roman. von Frank Goosen. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Garten war in einem schlimmen Zustand. In den nächsten Tagen würde er Maus anrufen müssen, den pensionierten Gärtner, der ihm das Grünzeug in Ordnung hielt.
Er zog seine Schuhe aus und ging über den Rasen. Er liebte das. Manchmal erwischte er sich dabei, wie er schon im Zug, zwei Stunden vor der Ankunft am heimischen Bahnhof, diesem Moment entgegenfieberte.
Er trank den Espresso im Stehen und dachte an nichts. Dann ging er wieder hinein und packte seinen Koffer aus. Im Keller warf er die Leibwäsche in die Waschmaschine und stopfte den Rest in den großen Stoffsack, den die Reinigung am nächsten Morgen abholen würde.
Jetzt wäre Zeit für die Post gewesen, aber ihm ging nun die Stille im Haus ein wenig an die Nerven. Das passierte meistens eine bis anderthalb Stunden, nachdem er von einer Reise zurückgekommen war. Er legte A Man Alone von 1969 in den CD-Player, die Platte, die Rod McKuen eigens für Sinatra komponiert hatte. Wahre Fans hielten nicht viel von dieser Schaffensphase des Meisters. Zu viele sentimentale Balladen, kein Biss, kein Swing. Friedrich fand, es war die richtige Musik für einen einsamen Mann, der gern heimlich in Selbstmitleid versank.
Er wollte gerade in die Küche gehen und sich endlich der Post zuwenden, als das Telefon klingelte. Es war sein Vater.
"Bist du wieder zu Hause?"
Sag bloß nicht Guten Tag, alter Mann, dir könnte die Zunge im Maul verdorren.
"Hallo Papa, wie geht es dir?"
"Ach, wie soll es mir gehen ..." Pause.
So war das immer. Sein Vater rief an, beklagte sich und wartete darauf, dass sein Sohn das Gespräch bestritt. Friedrich tat ihm den Gefallen.
"Was macht der Rücken?"
"Ach, was soll mein Rücken schon machen ..."
"Soll ich heute Abend mal vorbeikommen?"
"Tja, wenn du meinst..."
"Möchtest du, dass ich vorbeikomme?"
"Also, wenn es dein Terminplan erlaubt..."
"Er erlaubt es."
"Tja, wenn du einen Teil deiner kostbaren Freizeit mit deinem alten Vater verbringen möchtest..."
Friedrich atmete hörbar aus. Konnte sein Vater überhaupt noch einen Satz sagen, der nicht in drei Punkten endete?
"Also, wenn dir das alles zu viel wird", sagte der alte Pokorny, "dann bleib lieber zu Hause."
"Ich komme am frühen Abend vorbei."
"Sehr genaue Zeitangabe!"
"Gegen sieben."
"Gegen sieben? Na ja, dein alter Vater hat ja nichts mehr vor. Der sitzt nur blöd rum und wartet darauf, dass der Herr Sohn mal vorbeikommt."
"Ich bin um Punkt sieben bei dir. Zufrieden?"
"Ich weiß nicht. Hört sich an, als wäre es eine enorme Überwindung für dich." "Das stimmt nicht. Also um sieben?" "Tja, wenn du meinst..."
Sie legten auf.