POISON STUDY ist das Erstlingswerk von Maria V. Snyder und hat als solches den Compton Crook Memorial Award 2006 gewonnen. Trotzdem zögerte ich einige Zeit lang das Buch zu kaufen, denn der Verleger Luna ist nicht gerade für Qualität bekannt, wohl aber für seichte Lovestories. Tatsächlich konnte mich PS trotz einiger Mängel überzeugen, weswegen ich es guten Gewissens weiterempfehlen kann (insbesondere den Fans von Elizabeth Haydon, Dawn Cook, Diana Marcellas, Elizabeth Kerner etc.).
Yelena steht kurz vor der Hinrichtung, als ihr eine letzte Chance geboten wird. Als Vorkosterin des Militärdiktators von Ixia ist ihre Lebenserwartung nicht allzu hoch, dafür sind regelmäßige Mähler und eine Unterkunft im Palast garantiert. Womit Yelena allerdings nicht rechnet ist, dass der Sicherheitschef sie mit "Schmetterlingsstaub" vergiftet um ihre Loyalität zu sichern. Nur eine tägliche Dosis des Gegengiftes erhält sie am Leben.
Noch während Yelena überlegt, ob sie vielleicht dennoch die Flucht riskieren sollte, holt die Vergangenheit sie ein. Putschisten planen einen Umsturz mittels Magie, auf die in Ixia die Todesstrafe steht. Und Yelena kennt diese Verschwörer nur allzu gut, waren sie doch der Grund warum sie im Gefängnis landete.
Meine Hauptkritik ist, dass die Protagonistin zu perfekt ist. Sie ist intelligent und gebildet, lernt in Rekordzeit alles über Gifte und Kampftechniken, hat ungewöhnlich starke magische Kräfte und ist von äußerlicher als auch innerlicher Schönheit. Außerdem wandelt sie sich immens rasch von einer eingeschüchterten und resignierten Gefangenen zu einer loyalen und tapferen Kämpferin. Was die einen stört, kann den anderen natürlich gefallen, insbesondere, da Yelena trotz ihrer (scheinbaren) Perfektion ein sympathischer Charakter ist.
Wo Luna drauf steht, muss eine Liebesgeschichte drinnen sein - egal ob sie ins Gefüge passt oder nicht. Snyder hätte sich mehr Zeit lassen sollen, etwas mehr Tiefgang und Subtilität wären auch nicht schlecht gewesen.
Auch bei der Entwicklung der Welt störten mich gewisse Einzelheiten (fragte mich gelegentlich, wie das bei diesem geringen technologischen Standart bzw. den offensichtlich nur geringen personellen Ressourcen möglich sein soll). Dafür entschädigte mich das ungewöhnliche Konzept, welches in Anlehnung an einen perfekten kommunistischen Staat geschaffen wurde (erinnert mich - soweit ich es beurteilen kann - an die Sowjetunion).
Klingt schlimm? Ist es aber nicht, denn die positiven Eindrücke überwiegen. POISON STUDY erhält von mir das Prädikat Lesenswert und ich werde mir die nächsten zwei Teile, MAGIC STUDY und FIRE STUDY mit Sicherheit zulegen. Allerdings werde ich die Taschenbuchedition abwarten.
Dieses Buch gibt es bereits auf Deutsch. Der Mira-Verlag hat im November 2007 YELENA UND DIE MAGIERIN DES SÜDENS herausgebracht.