Chris Wooding gehört definitiv zu den Autoren, die mit viel Phantasie gesegnet sind. Wohin nur mit all den abgefahrenen Ideen? Am Besten in Romane wie POISON.
Poison (Gift) ist der selbstgewählte Name der Hauptdarstellerin der Geschichte. Sie ist übrigens NICHT 12, sondern bereits 16. Sie ist außerdem Außenseiterin in ihrer Heimat, einem Dorf im Sumpf, das hin und wieder von "Phaeries" (Märchengestalten) heimgesucht. Eine solche raubt des Nachts Poisons 3jährige Schwester Azalea, und damit geht die Geschichte los - denn Poison zieht natürlich aus, um ihre Schwester zu finden, zu retten und nach Hause zu holen. So verlassen wir mit Poison die "Black Marshes" bereits, was in sich schon ein bißchen schade ist; über das Leben im Sumpf hätte ich gerne noch mehr gelesen.
Auf der Reise passiert das, was Poison nur aus Märchen kennt - sie findet Mitreisende (vielleicht Freunde?), muss Prüfunden bestehen, Geheimnisse aufdecken, Intrigen überleben und sich mit einer verstörenden Wahrheit abfinden... damit sie ihren Platz im Leben finden kann.
Dass die Charaktere etwas klischeehaft herüberkommen (die trotzige, unverstandene Teenager-Außenseiterin, die liebenswert-verwirrte und naive Mitläuferin, die vertrauenswürdige Vaterfigur...) stört in diesem Roman nicht - denn inhaltlich passt alles zusammen. Poison sagt ja selbst, sie habe manchmal das Gefühl, in einer Geschichte zu leben - eben wegen der Klischees, auf die sie selbst auf ihrer Reise trifft...
Sprachlich gibt es, finde ich, einige kleinere Schwächen; aber bei so einer schönen Geschichte - mit so einem schönen Ende - verzeiht man diese gerne.
Auch deshalb wären eigentlich 4 Sterne angemessen, denn man muss sich ja nach oben noch Platz lassen für die Meisterwerke. Aber ich gebe trotzdem 5, einfach so, weil ich das Buch einfach so sehr mag.