Richard Elster, die Hauptfigur dieses schmalen Romans, war als Berater der Bush-Regierung an der Planung und der PR zum Irakkrieg beteiligt. Die Sache ist nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen, und so hat er sich in ein abgeschiedenes Haus in der Wüste zurückgezogen. Die zweite Hauptfigur ist Jim Finley, ein junger Filmemacher, der eine Dokumentation über Elster machen möchte; einen Film, in dem nichts außer Elster zu sehen sein soll, der über den Krieg und seine Rolle dabei spricht. (Dieses Konzept ist anscheinend inspiriert von Errol Morris' "The Fog of War", in dem fast genau so mit Robert McNamara verfahren wird.) Finley ist Elster gefolgt, um ihn zur Mitwirkung an dem Film zu überreden, dieser bleibt aber ablehnend und gibt stattdessen grandiose philosophische Thesen von sich, deren Kohärenz durch den regelmäßig und ausgiebig genossenen Alkohol nicht verbessert wird. Ein wiederkehrendes Motiv ist der titelgebende Omega-Punkt, ein Konzept, das auf den Philosophen Teilhard de Chardin zurückgeht. Für Teilhard ist der Omega-Punkt eine göttliche Kraft, die die Entwicklung der Welt lenkt und zu immer größerer Komplexität hinführt. Für Elster hingegen scheint sich mit dem Omega-Punkt eher die Vorstellung einer geistigen Erschöpfung zu verbinden, auf die ein erhabener neuer Geisteszustand folgen kann, vielleicht aber auch die Regression zu einem primitiven Zustand: "Because now comes the introversion. Father Teilhard knew this, the omega point. A leap out of our biology. Ask yourself this question. Do we have to be human forever? Consciousness is exhausted. Back now to inorganic matter. This is what we want. We want to be stones in a field." (52)
Elster bleibt eine verschwommene Figur. Von der Notwendigkeit des Krieges ist er nach wie vor überzeugt, aber auf eine Diskussion lässt er sich nicht ein. Weshalb er der Bush-Regierung den Rücken gekehrt hat, bleibt auch unklar. Er erregt sich darüber, dass die übrigen Verantwortlichen im Pentagon sich nur für "priorities, statistics, evaluations, rationalizations" interessiert hätten. Die Rationalisierungen der Bush-Krieger können aber nicht ärgerlicher gewesen sein als Elsters eigene; so etwa, wenn er die Lügen und Fälschungen der Regierung, an denen er selbst aktiv beteiligt war, durch philosophische Pauschalisierungen zu legitimieren versucht: "Human perception is a saga of created reality. [...] Lying is necessary." (28) Er selbst, so erklärt er, habe sich einen Krieg nach dem Vorbild eines Haiku vorgestellt: "I wanted a war in three lines. ... What I wanted was a set of ideas linked to transient things. This is the soul of haiku. Bare everything to plain sight. See what's there and then be prepared to watch it disappear." (29) Da fragt man sich, wer hier der größere Zyniker und Nebelkerzenwerfer ist: die Leute im Pentagon, oder Elster selbst.
DeLillo führt bald noch eine dritte Figur ein: Elsters Tocher Jessie. Diese ist noch schemenhafter als die beiden anderen. Bald verschwindet sie spurlos in der Wüste; alle Suchanstrengungen bleiben erfolglos, und Elster zerbricht an dem Verlust der geliebten Tochter. Im privaten Leben kann er seiner eigenen Haiku-Maxime - "See what's there and then be prepared to watch it disappear" - nicht gerecht werden. Überhaupt scheinen alle seine grandiosen Theorien angesichts der persönlichen Tragödie irrelevant: "It seemed so much dead echo now. Point omega. The omega point has narrowed, here and now, to the point of a knife as it enters a body. All the man's grand themes funneled down to local grief, one body, out there somewhere." (98)
Interessant wird DeLIillos Buch vor allem durch die Rahmenkapitel, die den Roman eröffnen und beschließen. Hier beobachtet ein anonym bleibender Mann die Videoinstallation "24 hour Psycho", in der Hitchcocks berühmter Film in Zeitlupe gezeigt wird. Hiervon können interessante Reflexionen über das Wesen der Zeit, über das Sehen, über Gewalt und ihre Darstellung ausgehen. Angedeutete Verknüpfungen zwischen Rahmenkapiteln und Haupthandlung ermöglichen dem aufmerksamen Leser ein interessantes Detektivspiel. Es bleibt aber ärgerlich, dass DeLillo die politischen Erwartungen, die er weckt, so kläglich enttäuscht. Der Roman knüpft ja deutlich an aktuelle politische Ereignisse an; Richard Elster nennt sich selbst z.B. in einem Atemzug mit Paul Wolfowitz. Es wäre interessant gewesen, wie DeLillo den Charakter solcher Leute erkundet. Darauf verzichtet er bewusst; der erste Satz des Romans verkündet das programmatisch: "The true life is not reducible to words spoken or written." Das ist eine alte Erkenntnis, die schon große Schrifsteller vor DeLillo formuliert haben, die es dann aber doch probiert haben. Die Paradoxie des modernen Bewusstseins. In diesem Buch aber wird auf die Erkundung von Persönlichkeit, Moral und politischem Handeln verzichtet zugunsten der dann doch sehr schlichten Botschaft, dass dies angesichts von persönlichen Katastrophen keine Bedeutung hat.