An diesem Album scheiden sich die Geister. Hardcore-Fans von Dieter Bohlen ziehen über das Projekt "Systems in Blue" her, weil der Meister aus Tötensen nicht mitgemischt hat und die S.I.B.-Teammitglieder im Vorfeld öffentlich über ihn hergezogen haben. Wenn man all das aber beiseite lässt, hat man hier ein richtig gutes Pop-Album im Stil der 80er und frühen 90er Jahre. Die heutigen S.I.B.-Sänger waren damals bei den Alben von Modern Talking und Blue System für die typischen hohen Chöre verantwortlich, bei Blue System sogar für die meisten Refrains. Lediglich die Strophen sang Dieter Bohlen meist allein. Die Refrain-Stimme Rolf Köhler ist bei Blue System deutlich herauszuhören, die hohen Chöre genauso. Aber nun zum eigentlichen Album: Es hat fast durchgehend tolle Ohrwurm-Melodien. Besonders "Le Vent Ma Dit" ist grandios (auch ohne hohe Chöre) mit seinem Englisch/Französisch-Mischmasch. Kracher sind auch der Titelsong "Point Of No Return" (schade, dass es die hohen Chöre erst am Schluss gibt), "Voodoo Queen", "Can't Stand The Pain", "1001 NIghts" und "Every Little Thing". Das ebenfalls gute "Winner" wurde im Vergleich zur Maxi-CD-Version sogar am Ende noch etwas verlängert, nachdem Fans bemängelt hatten, dass die hohen Chöre zu schnell ausgeblendet wurden. "Magic Mystery" ist natürlich mordsmäßig beim Blue-System-Hit "Magic Symphony" abgekupfert. Das hätten S.I.B. nicht nötig gehabt, da die meisten eigenen Kompositionen mit Dieter Bohlens Stücken der damaligen Zeit mithalten können. "Calling Lady Lorraine" ist etwas arg schlagerartig, aber immer noch okay. Sehr mystisch sind "Avalon" und "The Story Of Lara Layne" angelegt, wobei textlich bei letzterem Titel der Song "Laura Jane" von Howard Carpendale Pate gestanden hat - ob nun unbewusst oder nicht. Die Ballade "Only For You" ist nett, fällt gegenüber manchen Bohlen-Kompositionen besonders im Refrain ab. Die Texte sind im Bohlen'schen Stil gehalten, geben inhaltlich (sofern man bei so leichter Pop-Musik davon sprechen kann) mehr her als die Originale. Es handelt sich halt nicht nur um willkürlich aneinandegereihte Phrasen, sondern um kleine Geschichten, die es bei Bohlen nur selten gibt. Fazit: Wer Sehnsucht nach dem Bohlen-Sound der Zeit von 1987 bis 1993 hat, ist hier absolut richtig. Man fühlt sich gleich zu Hause, die Ohrwürmer wollen aus dem Ohr gar nicht mehr raus. Ein Erfolg ist das Album nicht geworden. Dafür fehlte große Promotion, aber auch die Zeit dieser Musik als Massenware für die Charts ist vorbei. Nostalgiker wie ich freuen sich jedoch, dass es nochmal neues "Futter" für die Ohren gibt.