In den 1980er Jahren gehörte in der ARD der Sendeplatz am Sonntagvormittag um 11.15 Uhr für mehrere Jahre fest dem jugendlichen Publikum. Hier liefen u.a. Konzertmitschnitte, Herbert Feuersteins erste Fernsehproduktion "Wild am Sonntag" wurde ausgestrahlt und diverse Jugendfilme und Miniserien fanden hier für jeweils 45 Minuten Platz.
Eine dieser Miniserien oder Spielfilme war POGO 1104, die nun auch seit einigen Jahren als DVD erhältlich ist. Die Handlung ist im Prinzip recht simpel: 3 junge Männer und eine junge Frau aus der Werbebranche gründen gemeinsam einen Piratensender. Wie sie das anstellen und was dabei alles so passiert, ist sehr lustig und originell und einige Ungereimtheiten in der Handlung, sowie kleine technische Unzulänglichkeiten kann man vernachlässigen.
Die Darsteller können unterschiedlicher nicht sein, verkörpern aber ihre Rollen überzeugend und vermitteln das Lebensgefühl von damals. Erich Bar, Richy Müller, Ralph Richter und Anja Schüte stehen absolut im Mittelpunkt. Aber auch selbst kleinste Nebenrollen und Gastauftritte sind mit namhaften Schauspielern besetzt worden, sodass auch die Randfiguren authentisch sind. Dazu gehören z.B. Otto Sawicki, Charlie Rinn, Edgar Bessen, Kalle von Liebezeit und NDR Moderatorenlegende Peter Urban. In größeren/wichtigeren Nebenrollen kann man Siegfried W. Kernen und Paul Edwin Roth erleben.
Die lockeren Sprüche sind sehr spassig und damals auch teilweise in den allegemeinen Sprachgebrauch über gegangen (Lass es kosten, Ludwig) und die Aufnahmen vom Hamburg der frühen 80er sind auch heute im Rückblick recht witzig.
Eine wichtige Rolle spielte natürlich auch die Musik, vor allem, wenn es um einen Piratensender geht, der von einem ausrangierten Fischkutter aus auf der Nordsee betrieben werden soll. So der Plan der 4 Protangonisten. Obwohl die Musik nicht ausschliesslich typisch 80er ist, vermittlelt gerade die Musikauswahl dem Film seine spezielle Note. Zu hören sind u.a. Billy Idol, Adam Ant, Mothers Finest, Bob Seeger, Stevie Ray Vaughn und Bruce Springsteen, um nur einige zu nennen.
Wer diesen 180 Minuten langen Film von damals noch kennt, wird sicher genüsslich in Erinnerung schwelgen. Ob man ein jüngeres Publikum heutzutage für so etwas noch begeistern kann, wage ich zu bezweifeln. Aber darauf kommt es auch gar nicht so an.
Als Bonus kann man sich noch ein Interview mit dem Darsteller des Rick, Ralph Richter, anschauen, der ein wenig von den Dreharbeiten erzählt, und wie er die Arbeit mit dem Regisseur Wigbert Wicker so empfunden hat. Besonders ergibig ist dieses Interview jedoch nicht und man kann sich dafür voll auf diesen einfachen, aber originellen Film konzentrieren.