Poets and Madmen soll die Brücke schlagen zwischen der harten Metalband zu Beginn der Karriere und der Bombastband der letzten Jahre. Zwar sind die Songs wieder in eine Rahmenhandlung integriert, das Wort Rockoper paßt aber dennoch nicht so ganz. Musikalisch rückte man wieder verstärkt die Gitarren in den Mittelpunkt, keine Häufung von Piano-Balladen, Keyboards in den meisten Fällen als Unterstützung, aber nicht in tragenden Funktionen, und zum ersten Mal seit Streets keine Instrumentalwerke. Und der Mountain King Jon Oliva übernimmt sämtliche Vocals, ebenfalls zuletzt auf Streets geschehen.
Das Resultat ist eine gute CD in Savatagemaßstäben, eine hervorragende in allgemeinen Relationen, aber eben kein Album, das um den Titel 'Bestes Tage-Werk aller Zeiten' mitkämpft. Jon Oliva vermag zwar einigen Stücken durch seinen leichten Wahnsinn in der Stimme etwas Besonderes zu verleihen, dennoch vermißt man einige Male den Ausnahmesänger Zak Stevens, der etwa die Hälfte der Songs hätte einsingen sollen. Das Songwriting fällt ebenfalls nicht ganz so komplex aus wie bei den Vorgängern, die Abgrenzung zum Transsiberian Orchestra schien da ein wichtiges Motiv zu sein.
Wie auch immer, wer von den Mannen aus Tampa noch nichts im CD-Regal stehen hat (Frevel!), der sollte mit Streets, Gutter Ballet und Dead winter Dead beginnen, dann ist er sowieso musikalisch schon abhängig und kann sich Poets and Madmen als willkommene Ergänzung zulegen. Der Mountain King ist zurück, aber seine Stimme ist mittlerweile zu limitiert, um den Vergleich mit sich selbst vor einem Jahrzehnt aufnehmen zu können.