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Poetry! Slam!
 
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Poetry! Slam! [Broschiert]

Andreas Neumeister , Marcel Hartges
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 303 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499137364
  • ISBN-13: 978-3499137365
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 460.790 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Fundamental-Fun

Die Literatur als Slam

Die Avantgarden der Literatur (und solche, die sich dafür halten) leben seit je vom Überdruss am Althergebrachten. Wenn die tradierten Formen und Präsentationen vor allem Langeweile produzieren, sammeln sich die Gegner und schaffen Neues, das wiederum von den Sachwaltern des Alten lange unbemerkt bleibt. Die Slam-Veranstaltungen zählen zu diesen Ausbruchsversuchen, zu diesen Bemühungen, sich vom Getue der literarischen Kritik zu lösen. In den USA längst etabliert, erobern sie die Grossstädte, ohne sich um den Kanon der Gegenwartskunst zu scheren.

Was ist ein Slam? Eine «Mischung aus Lesung, Sportveranstaltung und Party», ein «postliterarisches Verfahren», so der Journalist und Veranstalter Karl Bruckmaier. Lesewillige jedweder Couleur erobern die Klubs und Bars, tragen Eigenproduktionen vor – und laufen immer wieder Gefahr, vom kapriziösen Publikum ausgebuht und ausgepfiffen zu werden. Am Ende werden Sieger gekürt, und die Literatur gewinnt plötzlich eine Frische, wie es sich der Feuilleton-Leser im Ohrensessel kaum vorzustellen vermag. Verpflichtet sind diese Texte naturgemäss dem spoken word, und so ist es keine Selbstverständlichkeit, wenn Marcel Hartges und Andreas Neumeister versuchen, die in den Zigarettendunst eines Nachtklubs deklamierten Gebilde zwischen zwei Buchdeckel zu bringen.

Trotz den «medialen» Bedenken: «Poetry! Slam!» ist eine rundum bunte Sammlung geworden, die zeigt, dass die lebendige Gegenwartsliteratur die offiziellen Amtsverweser oftmals weit hinter sich gelassen hat. Die meisten Texte kommen spontan und unverhüllt aus den Niederungen des Alltags: die Abenteuer in der Strassenbahn und vor dem Fernseher, die kleinen Verzückungen zwischen Sex und Shopping – dorthin gehört die Slam-Poesie. Eine Hierarchie der Themen existiert nicht: Zwischen den Trommeln eines Waschsalons ist durchaus Platz für Robert-Walser-Lektüre. Dieser «Fundamental-Fun» (Root Beat) des Hier und Jetzt fragt nicht danach, ob sich sein Abbild auf dem ästhetischen Höhenkamm bewegt. Es geht um das unverstellte Spiel mit der Gegenwart, mit der Sprache – der (keineswegs neue) Feind ist die «Kunstanstrengung».

Unter dem Deckmantel der «Slam-Tauglichkeit» verbirgt sich so gehörig Disparates, was das Vorwort in einer eleganten Volte zur Tugend erhebt: «Gerade in der Unterschiedlichkeit der Texte vermittelt sich ein Eindruck von der Vitalität der Szene.»

Manche «Texte der Pop-Fraktion» (so der missverständliche Untertitel) fielen in einer Nicht-Slam-Anthologie kaum auf. Wenn der Schauspieler Ben Becker, obschon bereits mit der Grammatik vergeblich kämpfend («gegenüber eines kleines Kinos»), meint, dürftige Prosa verfassen zu müssen, oder ein sich (mutig, mutig!) «Scardanelli» nennender Junglyriker die «mandelblüten über dieser fremden welt» besingt, so sind das – Slam hin, Slam her – bloss schlechte Texte.

Spürbar wird das Andersartige hingegen, wenn beispielsweise Karen Duve Walter Jens und den Comersee bedichtet, wenn Bernd Begemann mit Hans Meiser unterwegs ist oder Thomas Meinecke und Thomas Palzer sich in einem virtuosen Dialog von Andy Warhol zu Velvet Underground und dem repressiven Instrument des Büstenhalters treiben lassen. Hier lässt sich selbst auf staubtrockenem Druckpapier erahnen, was ein Slam an poetischen Assoziationen und Turbulenzen hervorzubringen vermag. Eines wird dabei deutlich: Die gravitätisch einherkommenden Novitäten eines Günter Grass oder einer Christa Wolf stehen nicht für die Treibkraft der Literatur. Deshalb gilt vielleicht: Poetry? Slam!

Rainer Moritz

Kurzbeschreibung

Poetry Slams haben mit herkömmlichen literarischen Lesungen wenig gemein. Als typische Pop-Idee kamen sie aus den USA und tauchen, nachdem sie sich in der amerikanischen Pop- und Underground-Szene durchgesetzt haben, zunehmend auch in Großbritannien und Deutschland auf. Mit den Slams hat die Literatur endlich zurück in die Clubs und Bars, zurück ins Nachtleben und zu dem vermeintlich abhanden gekommen Publikum gefunden. Literatur und Pop hatten es im deutschsprachigen Raum die meiste Zeit schwer miteinander. Das scheint sich im Moment zu ändern. Andreas Neumeister und Marcel Hartges stellen kompetent und engagiert die Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeit der Texte und Autoren der vitalen Slam-Szene dar.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Goethe hat nie Doom gespielt. 15. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
"Poetry. Slam." ist eine Sammlung von Texten junger, deutschsprachiger Autoren, die vor allem eines sind: innovativ. Slam Poetry kommt aus dem USA und bezeichnet überlicherweise das Vortragen von Literatur in Kneipen vor einem, meißt recht kritischen Publikum. Die meißten Texte diese Buches beziehen sich, bzw. stammen jedoch nicht aus der SlamPoetry Szene. Das ist nicht weiter tragisch, denn sie erfüllen trotzdem das, wofür SlamPoetry auch steht: Literastur voran zu treiben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den über 60 Autoren so illustre Gestallen wie Alec Empire (Mastermind hinter Atari Teenage Riot), Bernd Begemann (Mulittalent)oder Thomas Meinecke (DJ-Author/ Authoren-DJ)befinden. Aber auch die eher unbekannten Autoren leisten viel in den kurzen Texten. Marko Lehenkas Texte, beispielsweise die von einem, von ihm geschriebenen Computerprogramm verfasst wurden haben einen Charme, den so schnell keine Autor aus Fleisch und Blut hinbekommen hätte. Am deutlichsten wird die Qualität, die fast alle Texte erreichen jedoch bei Georg Oswalds "Refresh Daemon": Wortgewandt und geistvoll leistet er das was, ältere Literatur nicht leisten kann und was charakteristisch für den ganzen Band ist: Zeitbezug. Nie hätte ich es für möglich gehalten, das über den Computerspielklassiker DOOM so literarisch geschrieben werden kann. Der Band spricht von daher eher ein junges Publikum an. Doch auch Älteren, die wissen wollen, wer morgen ein grosser Schriftsteller ist oder die sich für die Gedanken der Jungen interessieren sei der Band empfohlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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