Die „Poetik" des Aristoteles ist - wie unser Professor sagte - glücklicherweise ein Buch, dass in schmalem Gewand die Grundlagen unserer Wissenschaft (der Germanistik) präsentiert, und welche andere Wissenschaft könne schon einen derartigen Vorzug aufweisen? Allerdings, so fügte er an, sei die vorliegende, von Manfred Fuhrmann übersetzte und edierte Ausgabe eine doch arg geschlamperte Sache. Nichtsdestotrotz stellt sie für die nicht des (Alt-)Griechischen Mächtigen die Arbeitsgrundlage dar, so man nicht auf eine englische oder französische Übersetzung zurückgreifen musste. Schwierigkeiten ergeben sich so oder so, da schon der Originaltext zum einen offensichtlich unvollständig, zum anderen korrumpiert ist. Zum dritten ist er, wie schon Strabon in seiner Geographika mitteilt, durch viele und oftmals unfähige Hände gegangen, eingebuddelt, ausgegraben, verkauft, missachtet worden. Nicht die besten Referenzen also, und trotzdem kann man erkennen, in welcher Deutlichkeit Aristoteles eine Stillehre entwirft. Mimesis, Tragödie, Epos, Aufgabe und Thema der Dichtung werden in richtungsweisender Klarheit behandelt. Auf die „Poetik" kann kaum verzichten, wer sich mit der Historie dieser Dinge beschäftigt.