Dieses Konzept-Album mit dem blödsinnigen Titel Poesie" und der noch weitaus blödsinnigeren optischen Aufmachung untermauert auf eindrucksvolle Art und Weise den derzeitigen Rang der Koloratursopranistin Diana Damrau. Völlig mühelos, unangestrengt und unaufdringlich gelingen ihr die als anspruchsvoll geltenden Orchesterlieder von Richard Strauss (1864-1949), blitzsauber gesungen, silbern in den Spitzen, stilvoll zwischen Dramatik und Eleganz ausbalanciert. Christian Thielemann, jüngst zum Chef der Staatskapelle Dresden ernannt, sekundiert mit den Münchener Philharmonikern kongenial, gleichsam als musikalischer Dienstleister an der Vokalkunst von Richard Strauss. In Thielemanns romantisierendem Zugriff - Karajan redivivus? - wird eine musikalische Zeiten- und Formwende wunderbar transparent: die zwischen Strauss' auf die Spitze getriebener Spätromantik und Mahlers postromantischer Vokalsinfonik. Beides transzendiert ein Zeitalter, kündet von dessen Ende: Wo Mahler rüde zupackt und parodiert, treibt sein Zeitgenosse Strauss noch einmal alle Form und allen Inhalt des vergangenen Zeitalters auf eine ästhetische Spitze und Vollendung. All das lässt Diana Damrau spüren, flirrend, gefühlvoll, mit herrlichem Timbre. Bisweilen klingt das so natürlich, dass man hinter derlei Virtuosität kaum jahrelange Ausbildung vermuten mag. Anspielempfehlungen: Morgen!" und Allerseelen". In Summe: Unbedingt empfehlenswert trotz zweier kleiner Einschränkungen: Sehr gute Elektronik und Schallwandler lassen undefinierbare Nebengeräusche hören, die vermeidbar gewesen wären. Und - wie schon erwähnt - die äußere Gestaltung zeigt einmal mehr, dass sich die großen Klassik Label zusehends an der primitiven Devise "Sex sells" orientieren. Dann doch lieber nichtssagende Landschaftsbilder mit Hirsch am Bach!